Zahlen, bitte! 3 Prozent unerklärliche UFO-Beobachtungen

Seitdem der US-Kongress eine Anhörung über das UFO-Phänomen durchführte, ist das Thema wieder in aller Munde. Nun interessiert sich auch die Forschung.

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Von
  • Markus Will

Das UFO-Phänomen scheint zurück: Wenn selbst das größte Militär der Welt Videos veröffentlicht, mit dem Kommentar, dass sie keinen Schimmer haben, was darauf zu sehen ist, dann erstaunt es den Beobachter. 2022 hat sich das US-Militär erstmals seit 1969 wieder in einer öffentlichen Anhörung mit dem UFO-Phänomen beschäftigt. Die Videos namens "Gimbal", "Gofast" sowie "Flir" zeigen allesamt mit Kampfflugzeugen aufgezeichnete Infrarotaufnahmen von Flugobjekten, die solch merkwürdige Flugeigenschaften aufwiesen, dass sich das Militär darauf keinen Reim machen konnte.

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Und selbst Oumuamua, der erste entdeckte extrasolare Asteroid, der 2017 das Sonnensystem bereiste, erstaunte nicht nur den Nerd: Verhielt er sich doch wie ein Vogonen-Raumschiff, welches eine mögliche Route für eine intergalaktische Umgehungsstraße abflog. Die Sichtung erzeugte sogar unter Wissenschaftlern einen Streit, ob der zigarrenförmige Himmelskörper aufgrund seiner bemerkenswerten Eigenschaften nicht doch ein außerirdisches Raumschiff sei. Sind das nun Beweise für Aliens? Ganz so einfach ist es dann doch nicht.

Die Sonnensystem-Flugbahn von 1I'Oumuamua, der 19. Oktober 2017 durch das Pan-STARRS-Teleskop im US-Staat Hawaii entdeckt wurde. Seine besondere Form, die Geschwindigkeitszunahme sowie die Eigenschaften bereitet vielen Forschern Kopfzerbrechen. Das Problem ist wie bei vielen vermeintlichen Ufo-Sichtungen: Der Mangel an genaueren Daten lädt zu Spekulationen ein. Aufgrund der hohen Geschwindgkeit des Objekts, waren genauere Beobachtungen nicht möglich.

Die Frage, ob wir allein im Universum sind, ist eigentlich ein zentrales Element der Weltraumforschung. Weltraumsonden und Rover prüfen, ob nicht auch auf anderen Planeten oder Kometen Spuren von Leben existiert. Die Wissenschaft bemüht sich sehr, Hinweise auf einfachste Lebensformen zu finden. Und dann gibt es die Berichte über unerklärliche Himmelsphänomene.

Zahlen, bitte!

In dieser Rubrik stellen wir immer dienstags verblüffende, beeindruckende, informative und witzige Zahlen aus den Bereichen IT, Wissenschaft, Kunst, Wirtschaft, Politik und natürlich der Mathematik vor.

Überliefert sind solche Sichtungen bereits aus dem alten Ägypten. Inschriften aus der Zeit von Pharao Thutmosis III, von 1486 bis 1425 vor Christi Geburt, berichteten von Feuerkreisen und Scheiben am Himmel. Der römische Schriftsteller Iulius Obsequens berichtet um das Jahr 400 nach Christi Geburt in seinem Buch der Vorzeichen von Sichtungen aus den Schriften von Titus Livius, der vierhundert Jahre zuvor lebte. So seien in verschiedenen Ereignissen Fackeln sowie kugel- oder schildförmige Leuchtscheiben am Himmel aufgetaucht.

Ein zeitgenössisches Flugblatt behauptete, dass am Morgen des 14. April 1561 "Kugeln, Kreuze, Scheiben, Röhren" am Himmel über Nürnberg zu sehen gewesen seien, die eine Stunde lang scheinbar miteinander zu kämpfen schienen. Dort steht geschrieben:
"Zuerst erschienen mit der Sonne zwei blutrote, halbrunde Striche dahinter, bogenförmig und wie der abnehmende Mond, oben wie unten durch die Sonne schimmernd und auf jeder Seite blutfarben. Ringsherum um die Sonne waren zahlreiche, teils bläuliche oder eisenfarbene, wie auch schwarze, runde Kugeln zu sehen.

Weitere von ihnen waren blutrot und zu beiden Seiten der Sonne ringförmig positioniert. [...] Auch waren da drei große Rohre, eines zur linken Hand, eines zur Rechten stehend und ein drittes über dem Ganzen. Und in diesen Rohren waren vier oder mehr Kugeln zu sehen. Dies alles hat angefangen, miteinander zu streiten: Die Kugeln seien zunächst in die Sonne hinein geflogen, dann wieder heraus und gegeneinander geprallt, bald hätten auch die großen Rohre begonnen, Kugeln abzufeuern und einander zu beschießen."

Die Illustration des Flugblattes über die Himmelserscheindung von Nürnberg 1531. Während Ufo-Fans es für einen Nachweis des Phänomens halten, monieren Kritiker die unzureichende Darstellung der Stadt. Zudem seien solche Flugblätter in von der Kirche verfasste, religiös aufgeladene gegebene Mahnschriften. Himmelsschlachten seien dabei ein gern verwendetes Motiv gewesen.

In den Jahren 1896 und 1897 wurde in den USA mehrfach über Sichtungen von Phantom-Luftschiffen berichtet. Im Zweiten Weltkrieg wurden durch amerikanische Piloten verschiedene Lichterscheinungen gemeldet und als "Foo Fighters" bezeichnet. Als eigentliche Initialzündung des UFO-Phänomens gilt der Sommer 1947. Der US-amerikanische Privatpilot Kenneth Arnold gab an, am 24. Juni 1947 über dem Mount Rainier neun unbekannte Flugobjekte gesichtet zu haben. Er prägte in der Beschreibung der Objekte den Begriff "fliegende Untertasse": Die Objekte seien geflogen wie eine Untertasse, die man über das Wasser werfe. Der Begriff war geboren und wurde durch die Presse gierig aufgenommen.

Die US-Luftwaffe prägte Anfang der 1950er die Bezeichnung UFOs für unidentifizierte Flugobjekte. Mit dem Begriff bezeichneten die Militärs jedes Flugobjekt, welches sich letztlich nicht identifizieren ließ. Und in Zeiten des Kalten Krieges, gab es genügend sowjetische, experimentelle Flugzeuge, die die amerikanische Aufklärung nicht unmittelbar identifizieren konnte. Aber auch die Lichterscheinungen wurden untersucht: Von 1952 bis 1970 erforschte der Geheimdienst der US-Luftwaffe im Project Blue Book ungewöhnliche Himmelserscheinungen, die Militärs wie Piloten, Fluglotsen oder sonstige Luftwaffenangehörige meldeten. Das umstrittene Projekt kam dabei zum Ergebnis, keine Nachweise für außerirdische Technologien gefunden zu haben.

Die Titelseite sorgte selbst für Schlagzeilen: Am 8. Juli 1947 berichtete die Zeitung Roswell Daily Record von einer scheinbaren Bergung einer Fliegenden Untertasse durch die US-Army. Das Militär dementierte umgehend.

(Bild: Roswell Daily Record )

Im Juli 1947 kam es zudem zum Roswell-Zwischenfall, der die Spekulationen über UFOs und Aliens weiter befeuerte: Ein Landwirt meldete dem Stützpunkt Roswell Army Airfield (kurz RAAF) eine Sichtung von Trümmern. Die Army sammelte die Trümmer ein und informierte die Presse. Am 8. Juli 1947 titelte die Zeitung Roswell Daily Record: "RAAF erbeutet fliegende Untertasse auf einer Ranch in der Region Roswell". Die Army dementierte den Fund eines Alien-Raumschiffs umgehend und präsentierte in einer Pressekonferenz Teile eines Wetterballons, der angeblich geborgen wurde.

Jahrzehnte später stellte sich heraus, dass die wirklich geborgenen Trümmerteile zum Projekt Mogul gehörten, einem streng geheimen Testprogramm. In dem wurde geprüft, ob Spionageballons, die sich in der Stratosphäre befänden, durch Radarreflektoren sowjetische Atomtest detektieren konnten. Echte Ufo-Enthusiasten konnte die Erklärung aber nicht überzeugen.

Der Roswell-Zwischenfall war auch Gründungsmythos von Area 51, der berühmtesten Geheimbasis der Welt. Und er sorgte in den 1990ern für den Höhepunkt der UFO-Manie: 1995 wurde der sogenannte Santili-Film veröffentlicht, der scheinbar die Obduktion eines der angeblichen Roswell-Aliens zeigen sollte. Zunächst eine Weltsensation, wurde schnell klar, dass es sich nur um eine plumpe Fälschung handelte.

Zudem hatte das Phänomen der unbekannten Flugobjekte lange Zeit ein Imageproblem: Wo ein UFO thematisiert wurde, waren Klangschalen und esoterische Fürsprecher nicht weit. Die seriöse Wissenschaft wollte von dem Thema nichts wissen. Mittlerweile ändert sich das Schritt für Schritt: Die Uni-Würzburg erforscht UFOs, beziehungsweise UAPs (Unidentified Aerial Phenomena, zu Deutsch „nicht identifizierten Luftphänomene“). Hakan Kayal, Professor für Raumfahrttechnik schätzt, dass etwa 3 % der Beobachtungen sich auf den ersten Blick nicht eindeutig erklären lassen. Und er schließt auch außerirdische Phänomene nicht ganz aus. Kevin Knuth, NASA-Forscher und Professor für Physik an der University of Albany hat auch bereits über Antriebe der unbekannten Flugobjekte geschrieben.

Jedoch ist auch nicht alles frei von Kritik: Die Mutmaßungen von Astronom Avi Loeb, der in Oumuamua eine außerirdische Raumsonde mit Sonnensegel sah, stießen auf Ablehnung in der Fachwelt. Ist doch rein zufällig Loeb in einem anderen Projekt beteiligt, welches Sonnensegel erforscht und dem dadurch eine besondere Aufmerksamkeit zuteil wurde. Nach neuesten Forschungen handelte es sich bei Oumuamua sehr wohl um ein natürliches Objekt, möglicherweise einst Teil eines Exoplaneten.

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Allerdings gibt es auch für die kürzlich genannten Sichtungen bereits Erklärungen. Das Gimbal-Video zeige beispielsweise ein Infrarot-Video eines anderen Kampfjets, und der ungewöhnlich rotierenden Körper ist ausschließlich der Kameradrehung geschuldet. Überhaupt ist die offene Ahnungslosigkeit des US-Militärs bei dem Thema bemerkenswert. Böse Zungen behaupten gar, man wolle der Space Force, der neuen Weltraum-Teilstreitkraft, eine weitere Daseinsberechtigung geben. Aber das wäre ja auch schon wieder eine Verschwörungstheorie. Wie dem auch sei: Es sind spannende Zeiten für Fans der Weltraumforschung.

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(mawi)