#heiseonline25: Hätt' ich Dich heut erwartet ... Anmerkungen einer Userin

heise online und die Foren haben sich weiter verändert. Zum Guten oder zum Schlechten? Einige Anmerkungen von Leserin und Foren-Userin angelwing.

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Gedanken, Menschen
Von
  • angelwing

Ist "20 Jahre Heise Online" wirklich schon wieder 5  Jahre her? Ich kann es kaum glauben. Es war ein sonniger Tag mit vielen guten Gesprächen mit bekannten und unbekannten Usern und mit Mitgliedern der Redaktion. Und Corona war nur als Biersorte bekannt. Jetzt ist Corona in aller Munde und verhindert leider ein erneutes Treffen. Ich hätte mich sehr über ein Wiedersehen gefreut. Aber heute finden Treffen nur noch als Call statt. Es ist zwar angenehm, dass weite Reisen entfallen, aber die Gespräche nebenbei fehlen doch sehr. Mal eben ein paar persönliche Worte, ein bisschen Getuschel, die neuesten Gerüchte und Anekdoten.

25 Jahre heise online

Eigentlich ist es ja schon 27 Jahre her, dass heise online mit ix.de startete. Redakteure von iX hatten den ersten Web-Server des Verlags auf dem Redaktions-Server installiert und zeigten ihn auf dem CeBIT-Messestand. Am 17. April vor 25 Jahren aber ging es auf heise online mit Newsticker und einer ersten, noch recht rudimentären News-Meldung so richtig los. Gleichzeitig wurde mit www.heise.de ein gemeinsames Dach für alle Magazine des Verlags geschaffen.

Wenn uns auch viele Themen bereits der ersten Tage auf heise online immer wieder beschäftigten, so hat sich mittlerweile das Universum von heise online, was Meldungen, Themenspektrum und Angebote angeht, stark ausgedehnt. Bis hin zu neuen Video- und Podcast-Formaten und dem Abo-Angebot heise+ für alle Artikel aus den Magazinen von heise Medien und exklusive Hintergrund- und Know-how-Artikel.

Zum Jubiläum starten wir eine Reihe von Artikeln und Aktionen, die die Geschichte von heise online (und der Foren) beleuchten und Einblicke in hard- und softwaretechnische Hintergründe sowie die Arbeit der Redaktion ermöglichen. Nicht zu vergessen das eine oder andere Quiz zu wichtigen Geschehnissen und Meilensteinen, und[ [...], und ... – leider angesichts der Corona-Pandemie im Unterschied zum 20-Jahre-Jubiläum dieses Mal ohne User-Party. Zur Erinnerung bietet sich die Spotify-Playlist für die Party an.

Jedenfalls: Es wird auch aus Anlass des 25-Jährigen einiges los sein. Stay tuned!

In den fünf Jahren seit meinem Artikel zu 20 Jahre heise online ist einiges geschehen. Ich will ein paar Schlaglichter auf Dinge werfen, die mir aufgefallen sind und ein paar Worte darüber verlieren.

Beendet habe ich meine Ausführungen zu "20 Jahre heise online" damit, dass ich mir gewünscht habe, dass heise wieder mehr auf die User eingeht, sie ernst nimmt und zeigt, dass sie ihnen wichtig sind.

War das ein realistischer Wunsch?

Was ist diesbezüglich geschehen?

Ich will meine Antwort vorwegnehmen: Der Wunsch war nicht realistisch, wie ich inzwischen sehen kann und es ist trotzdem einiges geschehen. Die Zahl der User hat erheblich zugenommen. Es ist nicht mehr die Zeit, dass jedes neue Mitglied in den Foren per Handschlag begrüßt werden kann. Bei um die 7.000 Postings pro Tag kann man ganz sicher nur einen Bruchteil der Postings lesen. Das Meinungenforum ist immer noch ein Stiefkind, das kaum Beachtung findet.

Was aber vor allem in den Foren auffällt ist, dass der Ton rauer geworden ist und eine Polarisierung stattgefunden hat. Begonnen hat dies mit der Flüchtlingsdebatte, ging dann weiter über den Klimawandel zu Corona. Wurden diese Themen zuerst erbittert bei Telepolis debattiert, griffen sie auch nach und nach auf heise online über.

Teilweise waren Foren nahezu unleserlich, da die Moderation nicht mehr hinterher kam und auch deutliche Worte von Jürgen Kuri nur bedingt eine Wirkung hatten. Man sah dann in der Redaktion wohl ein, dass die Moderation ausgeweitet werden muss, was natürlich nicht bei allen Usern Begeisterungsstürme hervorrief. Nachdem das Meinungenforum mit Protesten über Sperrungen von Postings geflutet wurde, wurde das Feedback-Forum eingerichtet.

So nett das gemeint sein mag, kann ich jetzt feststellen, dass dort nicht unbedingt wirklich strittige Sperrungen hinterfragt werden. Man beklagt sich über ungerechte und natürlich viel zu viele Sperren, was andere User allerdings völlig anders sehen.

Es ist ein Tummelplatz von einigen Wenigen geworden, denen es offensichtlich hauptsächlich darum geht, die Moderation vorzuführen.

Sooo schlimm ist es aber doch nicht. ;-)

Ein weiterer Mitarbeiter kam hinzu. Das macht mir deutlich, dass heise auf jeden Fall die Foren behalten will, aber gegen die zunehmende Vermüllung der Foren vorgehen will und muss, weil das sonst nicht möglich ist.

Auf einen Wunsch der User, als die Diskussionen um Corona anfingen, ein Extraforum dazu einzurichten, wurde eingegangen. Anfangs wurde es sehr häufig frequentiert, da noch viele Fragen im Raum standen. Welchen Sinn ergibt es, die Hände zu waschen? Müssen Masken getragen werden? Und Anleitungen zur Herstellung von Masken wurden gepostet. Mit zunehmenden Erkenntnissen, und auch unterschiedlichen Sichtweisen, veränderten sich die Fragen und Antworten. Das Forum wird immer noch genutzt, aber die Beiträge sind doch deutlich weniger geworden.

Die Genderdebatte blieb heise natürlich auch nicht erspart. Nach dem ersten gegenderten Artikel brach ein Sturm der Entrüstung los, was auf einer männerdominierten Webseite nicht verwunderlich ist. Schon zuvor haben sich andere Medien mit der Thematik auseinandersetzen müssen. Die Debatte bei Heise wurde mit großem Eifer geführt. Es wurden alle Register gezogen. Dass jemand zur Waffe greifen will, ist aber doch die Ausnahme. Auf Platz 1 rangierte natürlich wieder die angekündigte Abo-Kündigung.

Auch Redakteure mussten sich den Anfeindungen stellen. Natürlich gibt es auch Fragen. Aber es gibt auch andere Meinungen dazu.

Nach langem Drängen hat dann Jürgen Kuri für heise eine Stellungnahme abgegeben, die aber nicht wirklich zur Beruhigung beigetragen hat, zumal das wohl auch noch nicht der Weisheit letzter Schluss ist.

Und wie sieht es in den althergebrachten Foren wie dem Politikforum oder dem OTF aus? Auch da hat es einige Veränderungen gegeben. Nach anfänglich heftigen Debatten im PF findet man dort nur noch quasi eine Stammbelegschaft. Jede Seite stellt ihre Position in das Forum, eine gemeinsame Diskussion ist kaum zu erkennen. Und manchmal wundert man sich über die Sachkompetenz von Usern.

Im OTF ist es leerer geworden und früher übliche Threads sind verschwunden. So gibt es kein Frühstück mehr. Und die Wünsche zum Wochenende sind auch selten geworden. Geblieben ist die Liebe zu Hund und Katze.

Ein kurzer Blick auf Telepolis: Zum Jahreswechsel ging der Chefredakteur Florian Rötzer nach 25 Jahren in den Ruhestand und Harald Neuber wurde Chefredakteur bei Telepolis.

Er hat ein schweres Amt übernommen, denn viele User hoffen auf eine Neuausrichtung der Artikel und der Foren. Ich hoffe, dass dem neuen Chef von Telepolis die Neuausrichtung gelingt, damit ehemalige User von Telepolis den Weg dorthin zurückfinden. Dafür braucht er aber ganz sicher einen langen Atem.

Es hat sich viel getan in den letzten 5 Jahren. Vieles ist geblieben, aber es wird sich auch immer wieder einiges verändern. Manche Veränderung wünscht man sich und andere würde man gerne rückgängig machen. Ein Wunsch bleibt nach wie vor bestehen: Dass heise auf die User eingeht, sie ernst nimmt und zeigt, dass sie ihnen wichtig sind. Damit will ich meinen ganz persönlichen Rückblick auf die letzten 5 Jahre beenden. Natürlich haben andere User andere Schwerpunkte und Lieblingsforen. Gerne können andere Darstellungen und Meinungen in dem Forum zu diesem Beitrag gepostet werden.

Zeitreise: heise online im Lauf der Jahre (22 Bilder)

Spartanische Anfänge...
(Bild: heise online / Wayback Machine)

(mho)