iPod auf Rädern

Ein kleines norwegisches Unternehmen will die Wiedergeburt des Elektroautos einläuten. Sein Rezept: Bloß nicht wie die traditionellen Autohersteller denken.

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Von
  • Gregor Honsel

Der Think City ist eine Art iPod auf Rädern: Die Autos werden nach Vorbild des Computerherstellers Dell online individuell konfiguriert und auf Bestellung gefertigt; jedes Auto ist serienmäßig mit einem WLAN-Zugang ausgestattet; der Batteriesatz wird nicht mit dem Auto verkauft, sondern verleast.

Dadurch hat Think einen großen Kostenblock – zumindest optisch – von der Preisliste bekommen. Zudem braucht sich der Käufer keine Gedanken über die Alterung der Batterien zu machen: Lässt die Kapazität nach, werden entweder die Leasingraten gesenkt oder der Akku ausgetauscht. Und drittens kann das Unternehmen Batteriekapazität vermieten und dadurch einen Teil seiner Kosten wieder hereinholen: Über WLAN können die Batterien zentral gesteuert und damit in einen großen Pufferspeicher umfunktioniert werden. Für Netzbetreiber sind solche Strom-Zwischenlager äußerst attraktiv: sie können überschüssigen Strom aufnehmen, wenn beispielsweise der Wind ungewöhnlich stark bläst, und ihn wieder zurück ins Netz speisen, wenn Knappheit herrscht (s. TR 08/07).

iPod auf Rädern (9 Bilder)

Jan-Olaf Willums, Geschäftsführer der Think Global AS, gründete schon sieben Unternehmen, bevor er beim damals bankrotten Elektroauto-Hersteller einstieg. Zwei von ihnen brachte er an die Börse – darunter die REC, einer der größten Solarzellenproduzenten der Welt. (Bild: Fotos: lja C. Hendel)

Schon der Gang durch die Produktionshalle ist ein Schnellkurs in Sachen Globalisierung: Am Anfang steht eine schwarze Bodengruppe aus Stahl, zusammengeschweißt in Thailand. Daran werden der Aluminium-Rahmen aus Dänemark sowie matt-bunte ABS-Kunststoffteile aus der Türkei angeschraubt. Motor und Antriebswellen kommen aus Frankreich, das 1-Gang-Untersetzungsgetriebe aus Italien, die Stoffbespannung für das Armaturenbrett aus der Schweiz. "Es gibt hier keine Schweißung, keine Klebung, keine Pressung – nichts, was Lärm und Dreck macht", sagt Think-Geschäftsführer Jan-Olaf Willums. Am 28. November soll die Serienproduktion starten, der Verkauf an – zunächst nur norwegische – Privatpersonen Mitte 2008. Im ersten vollen Jahr sollen 500 Thinks entstehen, 2009 dann 10.000. Der Think City soll rund 25.000 Euro kosten – dazu kommen 150 Euro pro Monat für das Akku-Leasing.

Etwa in der Mitte der Produktionsstraße kommen die Batterien an Bord. Die erste Serie wird mit der in Südafrika entwickelten und in der Schweiz hergestellten Zebra-Batterie ausgeliefert. Dieser Natrium-Nickelchlorid-Akku wird bereits in einer Reihe von Elektroautos eingesetzt und gilt als leistungsstark, sicher und langlebig. Allerdings arbeitet er bei knapp 300 Grad Celsius und darf nicht auskühlen, sollte also stets in Betrieb sein oder am Netz hängen. "Wenn man weniger als 60 Kilometer am Tag damit fährt, ist die Zebra-Zelle ineffizient", sagt Henning Wallentowitz, Leiter des Instituts für Kraftfahrwesen der RWTH Aachen. Die ersten Thinks kommen also vor allem für Fuhrparks infrage.

Was die Zebra-Batterie an Leistung ausspuckt, reicht locker für einen flotten Zwischenspurt von Ampel zu Ampel. Überhaupt macht der Think einen durchaus erwachsenen Eindruck. Die Tür schließt noch ein wenig blechern, aber im Inneren empfangen den Fahrer gute Sitze, ein griffiges Lenkrad und solide Schalter und Knöpfe. Besonders angenehm im Stop-and-go-Verkehr: Es gibt keinerlei Lastwechselreaktionen, keine Schaltstufen und kein Ruckeln. In 16 Sekunden beschleunigt der Wagen von 0 auf die Höchstgeschwindigkeit von 100 Stundenkilometer. Eine Batterieladung reicht für rund 180 Kilometer.

Neugierig geworden? Der vollständige Report über die Rückkehr der Elektroautos ist in der Print-Ausgabe 12/2007 von Technology Review zu finden – ab dem 22. 11. am Kiosk. Das Heft kann man aber auch hier online portokostenfrei bestellen. (wst)