liketohear: Ein Raspi-Prototyp für individuelle Hörgeräte

Für personalisierte Open-Source-Hörverstärkung gibt es jetzt eine DIY-Box mit Raspberry Pi. Die Begleit-App hilft, eigene Höranpassungen auszuprobieren.

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Für die Hälfte aller Menschen über 65 und für auch viele Jüngere wäre eine Hörverstärkung eine sinnvolle Sache. Aber nur ein Viertel der Betroffenen greift zu einem konventionellen Hörgerät und die wenigsten tragen es tatsächlich im Alltag. Woran liegt das? Was und wie wollen Menschen eigentlich hören, was und wie nicht?

Um diesen Fragen auf dem Grund zu gehen, startete ich als selbst mild höreingeschränkte Informatikerin und Künstlerin 2017 das Citizen-Science-Projekt "Hear How You Like To Hear" am Fraunhofer IDMT in Oldenburg. Im Mittelpunkt stand das Framework liketohear: eine Open-Source-Entwicklung mit intuitiver App zur Steuerung von Hörgerätealgorithmen nebst zugehöriger Box, die hier zum Nachbau vorgestellt wird.

Hear How You Like To Hear (5 Bilder)

Nötig für den Betrieb sind noch Kopfhörer und die App auf einem Smartphone.

Die liketohear-App und -Box wurden von den beteiligten bürgerschaftlichen Forscherinnen und Forschern in "Soundwalks" in Hörsituationen auf der Straße, im Park und in Restaurants eingesetzt. Über die Webapp wurden dabei Höranpassungen nach persönlichem Belieben vorgenommen. Die Parameter der Anpassung wie auch eine Audiopegelanalyse werden auf einem USB-Stick gespeichert.

Die liketohear-Box besteht auf frei erhältlichen Komponenten, basierend auf dem früheren Projekt "Hearing Aid Prototype", angepasst für den Einsatz in alltäglichen Hörsituationen. Dazu gehört ein WLAN-fähiger Raspberry Pi mit Soundkarte, ein Mikrofonvorverstärker und ein binaurales (für beide Ohren konzipiertes) Aufnahmegerät. Die Audioverarbeitung wird von den Open-Source-Hörgerätealgorithmen der openMHA (Open Master Hearing Aid) übernommen. Die Hardware-Bauanleitung sowie die Installationsanleitung sind auf Github zu finden. Für den Bau des Mikrofonvorverstärkers wird etwas Löterfahrung benötigt. Die Software-Installation erfolgt über ein Raspberry-Pi-SD-Karten-Image.

Um die liketohear-Webapp aufzurufen wird ein Device, zum Beispiel ein Smartphone, mit dem WLAN des Raspberry Pis verbunden. Durch die Verschiebung eines Kreises in der App wird die Lautstärke gewichtet auf einem bestimmten Frequenzbereich angepasst. Hinter der Oberfläche befindet sich eine Klangwaage, ein spezieller Klangregler mit 10 × 10 Einstellmöglichkeiten und extra Kompression, damit kein Geräusch zu laut verstärkt wird.

Für die geneigten Maker und early adopters empfehlen sich kleinere Anpassungen des liketohear-Frameworks, die in den Issues auf Github dokumentiert sind. Auch nach dem offiziellen Ende des vom Bundesforschungsministerium geförderten Projekts im März sind ein Workshop und Meetups zum Thema Open Source Hearing Devices geplant. Termine werden aus gegebenen Anlass erst noch bekannt gegeben. Letzte Woche erschien bereits die erste Folge des Podcasts zum Projekt – Software-Ingenieurin und Hörgeräte-Trägerin Helga Velroyen hat mit mir über selbstbestimmtes Hören gesprochen. Stay tuned! (hch)