mRNA-Impfstoffe: Lipidkapseln sind der Schlüssel zur Wirksamkeit

Ohne seine Hülle aus Fett wirkt kein Covid-Impfstoff. Die Lipidkapseln eröffnen aber auch neue Horizonte für andere mRNA-Impfstoffe und die Krebstherapie.

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Moderne Lipidnanopartikel sind komplexe Konstrukte, die ihre kostbare mRNA-Fracht mit mehreren Lagen umhüllen und über die Eigenschaften dieser Hüllen an den Ort bringen, an dem ihr Inhalt seine Wirkung entfalten soll.

(Bild: Evonik)

Von
  • Veronika Szentpetery-Kessler
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Während der Pandemie hatten winzig kleine Fettkügelchen ihren großen Auftritt: Sie waren die Hülle für die mRNA-Impfstoffe von BioNTech / Pfizer und Moderna gegen das SARS-CoV-2-Virus. Ihre Rolle in den Impfstoff-Blockbustern blieb allerdings außerhalb von Fachkreisen weitgehend unbeachtet; alle Welt konzentrierte sich auf ihren Inhalt. Ohne diese fetthaltigen Transportbläschen, die Lipidnanopartikel (LNP), hätten jedoch weder Comirnaty noch Spikevax ihre Wirkung entfalten können.

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Würden Ärzte nur die mRNA spritzen, würde diese nicht in die Zellen gelangen, sondern vorher vom Körper abgebaut werden. Erst die LNP sorgen dafür, dass die Zellen die Bauanleitung für das Impfprotein aufnehmen und verarbeiten.

In Schaffhausen stellt Merck Lipide für Lipidnanopartikel in einem Speziallabor her. In den zwei Glasreaktoren werden einige hundert Gramm bis wenige Kilogramm der kostbaren Fette hergestellt.

(Bild: Merck KGaA)

"Sie können sich die mRNA wie eine zerbrechliche Vase vorstellen, die man ohne Karton und Noppenfolie verschicken will." So illustrierte Kathryn Whitehead von der Carnegie Mellon University das Problem jüngst in einem TED-Talk. "Fett ist ein tolles Verpackungsmaterial, weil es so schön federnd ist", sagt die Chemieingenieurin.