1-Cent-Überweisung wird zum Kettenbrief

Ein Kettenbrief mit einer Warnung vor dem massenhaften Missbrauch von Girokonten hat es bis in Polizei-Pressemitteilungen geschafft. Doch die Ursache ist ein Einzelfall.

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Von
  • Bert Ungerer

Seit Kurzem kursiert ein Schreiben des Fachverbands Energie- und Gebäudetechnik Bayern-Thüringen e. V. unter Internet-Anwendern, das eindringlich vor "Ein-Cent-Überweisungen" warnt. Wer eine solche Gutschrift auf seinem Kontoauszug bemerke, solle umgehend die Polizei anrufen, heißt es in der am 9. November 2009 erstellten PDF-Datei. Es gebe Betrüger, die versuchen, 1-Cent-Beträge auf viele Konten zu überweisen, um deren Existenz zu überprüfen und deren Besitzer später durch Abbuchungen zu schädigen.

Das Schreiben ist authentisch. Sogar die Polizeidirektion in Gotha sah sich bereits veranlasst, offiziell vor den scheinbar systematisch ausgeführten Kleinstüberweisungen zu warnen. Verschiedene Medien berichten bereits darüber. Doch der Gothaer Polizei liegen nicht etwa Anzeigen von geschröpften Kontoinhabern vor, sondern ebenfalls nur die Verbands-Rundmail, erklärte Pressesprecher Detlef Kasch gegenüber der iX. Eine weitere Nachfrage bei dem in der PDF-Datei genannten Verbandsmitarbeiter und Urheber des Schreibens ergab schließlich, dass ein Einzelfall den Anlass zu dem Schreiben geliefert hatte. Und zu der Bitte, die "Warnung ernst zu nehmen und auch an Freunde und Bekannte weiterzugeben".

Laut Stefan Becker, Pressesprecher der Sparkasse Hannover, gab es bei seinem Institut in der letzten Zeit keine einzige verdächtige Mini-Überweisung. Bankverbindungen ließen sich ohnehin einfacher verifizieren als mit konkreten Überweisungen, etwa mit Banking-Software. Ein paar 1-Cent-Überweisungen lägen aber tatsächlich vor, doch diese dienten ganz offensichtlich dazu, auf so billige wie sichere Weise Mitteilungen zu versenden: im Feld für den Verwendungszweck. (un)