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Anwender verstehen SAP nicht mehr

In Sachen Digitalisierung hinken die SAP-Anwender den eigenen Erwartungen hinterher. Unter anderem hadern sie mit der Produktpolitik ihres ERP-Lieferanten.

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(Bild: nitpicker/Shutterstock.com)

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Die allerorten propagierte digitale Transformation bereitet SAP-Anwendern Kopfschmerzen. Laut einer Umfrage unter Mitgliedern der Deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe (DSAG), die der Verein zum Auftakt seines diesjährigen Jahreskongresses in Nürnberg vorstellte, sehen sich nur noch 29 Prozent in dieser Hinsicht auf einem guten Weg. Vor Jahresfrist waren noch 44 Prozent optimistisch. Fast die Hälfte der Digitalisierungsprojekte soll im Sande verlaufen.

Neben hausgemachten Schwierigkeiten haben die Nutzer laut Mitteilung der DSAG auch solche, die aus den ERP-Programmen resultieren. Mehr noch: Sie hadern mit SAPs Produktstrategie und den Roadmaps, nur 24 Prozent fühlen sich gut informiert. 45 Prozent glauben zumindest teilweise an die Strategie des Walldorfer Softwarekonzerns. 30 Prozent haben daran jedoch erhebliche Zweifel – eine Zahl, die selbst DSAG-Chef Marco Lenck als besorgniserregend bezeichnet. „Wir müssen daran arbeiten, dass Vertrauen in die Produktstrategie wieder aufzubauen“, nahm er SAP, aber auch den eigenen Verein in die Pflicht.

Die Kritik der Anwender lässt erkennen, dass das Zusammenführen des durch teure Zukäufe ausgebauten Produktportfolios stockt. Man fordert beispielsweise mehr Tempo bei der Integration, der Vereinheitlichung der Stammdaten und beim Umsetzen eines einheitlichen Datenmodells. Derzeit kommen beispielsweise die Applikationen zum Management von Kundenprozessen wie C/4HANA und Qualtrics zwar zum Einsatz, sind gegenüber den Wettbewerbern jedoch nur schwach vertreten. Damit die DSAG-Mitglieder die neuen Produkte akzeptieren, benötigen sie eine funktionierende Integration. „Ist dies der Fall, kann SAP ihren Mehrwert als Anbieter hybrider Lösungen besser ausspielen“, ist Lenck überzeugt.

Die Anwender haben Zweifel an den Vorhaben von SAP.

(Bild: DSAG 2019)

Letztendlich wünscht sich die Kundschaft die Stärken eines monolithischen Systems wie SAPs Business Suite auch in einer hybriden Anwendungslandschaft aus On-Premises- und Cloud-Anwendungen. Die Anwender verlangen zudem klare Aussagen dazu, was SAP künftig ausschließlich als Cloud-Service anbieten will. Es treibt sie die Sorge, dass zuvor in der Suite beheimatete Funktionen (etwa Personalwesen und Reisekostenabrechnung) künftig nur noch als Online-Dienste über eines der zugekauften Produkte (SuccessFactors oder Concur) angeboten werden.

Zumindest in Sachen Personalmanagement konnte die DSAG einen kleinen Erfolg feiern: Ab 2022 soll SAP HCM (Human Capital Management) auch auf einer Instanz mit dem Suite-Nachfolger S/4HANA laufen können und somit auch on-Premises verfügbar sein. Der zuvor befürchtete Zwangsumstieg auf die SaaS-Anwendung SuccessFactors ist damit erst einmal vom Tisch. Was das Ganze zusätzlich kosten soll, ist noch offen. (Achim Born) / (jd)