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Apple aktualisiert Java und nimmt leise Abschied [Update]

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Kurz nach der lautstarken Vorstellung seines neuen Betriebssystems "Lion" läutet Apple wesentlich leiser seinen Abschied von Java ein. In den Release-Notes für das soeben freigegebene Java-Update für Mac OS X 10.6 und 10.5 nennt das Unternehmen die bislang mitgelieferte eigene Implementierung "deprecated" – "hinfällig". Sie werde nicht mehr gepflegt und könne in zukünftigen Versionen des Betriebssystems ganz entfallen.

Von dieser Entscheidung wären unter anderem Entwickler betroffen, die Eclipse, Netbeans oder IntelliJ unter OS X verwenden. Diese IDEs benötigen eine Java-Laufzeitumgebung. Oracle bietet seine Java-Implementierung zurzeit nur für Windows, Linux und Solaris an. Vom freien OpenJDK gibt es zwar den Mac-Port SoyLatte, der jedoch nicht Apples Grafik-Framework, sondern X11 nutzt. Darauf aufsetzende Anwendungen sehen deshalb nicht wie Mac-Programme aus und verhalten sich anders.

Apples Entscheidung könnte als ein Schritt zur Distanzierung von Drittsoftware bewertet werden, wozu auch das Fehlen des Flash-Plug-ins auf dem neuen MacBook Air passen würde. Davon ist nach ersten Hands-on-Erfahrungen in den USA zu lesen. Andererseits wäre auch denkbar, dass sich das Unternehmen von Oracle und dessen Java-Dominanz befreien will und später auf eine Open-Source-Implementierung umschwenkt. Dafür spräche Javas Rolle auf Servern, für die es eine eigene OS-X-Variante gibt.

Update: Steve Jobs hat in einer kurzen Antwort auf die Anfrage des CTO der Softwarefirma Portico die Position von Apple erläutert. "Sun (jetzt Oracle) stellen Java für alle anderen Plattformen bereit. Sie haben ihre eigenen Entwicklungszyklen, die sich fast immer von unseren unterscheiden. Deshalb liefern wir immer eine ältere Java-Version aus. Das dürfte nicht der beste Weg sein." (ck)