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BMWi-Studie: Intelligentes Stromnetz rechnet sich

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Der offizielle Startschuss für das intelligente Stromnetz sei gefallen, jubelt der ITK-Branchenverband Bitkom. Denn eine aktuelle Studie im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums kommt zu dem Schluss, dass die Einführung von intelligenten Messsystemen volkswirtschaftlich sinnvoll ist. Nun könne man auch in Deutschland endlich der Aufbau eines intelligenten Stromnetzes starten, meint man darum beim Bitkom und schiebt nach, dass das empfohlene Ausbau-Szenario zu zögerlich sein.

Die Autoren der BMWi-Studie empfehlen, dass bis 2022 zwei Drittel aller deutschen Haushalte mit neuen Zählern ausgestattet werden. Dabei sollten 20 Millionen Haushalte intelligente Stromzähler ohne Kommunikationsmöglichkeiten nach außen erhalten; nur 12 Millionen bekommen ein Gerät mit Komplett-Zugang zum Intelligenten Stromnetz, sogenannte Smart Meter Gateways. Dieses Szenario soll über die nächsten 20 Jahre verteilt einen volkswirtschaftlichen Nutzen von bis zu 13 Milliarden Euro bringen.

Ein umfassenderer Ausbau wäre laut Studie zwar volkswirtschaftlich sinnvoller, wird allerdings aus politischen Gründen nicht empfohlen. So zeigen Erfahrungen aus den Niederlanden, dass eine umfassende Einbindung der Bevölkerung nebst einer klaren Regelung der Fragen des Datenbesitzes und -zugangs sowie der Datenverarbeitung und -speicherung akzeptanzentscheidend sind.

Laut einer Fraunhofer-Studie für den Bitkom kann eine Vollvernetzung zusätzliche Wachstumsimpulse von ca. 1,7 Milliarden Euro pro Jahr erzeugen. Die Messsysteme bilden die Basis für die Vernetzung und Steuerung von Stromerzeugern, Speichern, elektrischen Verbrauchsgeräten und neuen Dienstleistungsangeboten, durch die das Stromnetz mit seinem künftig hohen Anteil an schwankenden erneuerbaren Energien stabil und bezahlbar bleiben soll. Verbraucher könnten variable Stromtarife beziehen und so ihre Stromrechnung senken. Die Betreiber der Energienetze können den Zustand ihrer Leitungen besser erfassen, Solar-, Biomasse- und Windkraftanlagen zu virtuellen Kraftwerken zusammengeschaltet werden.

Hintergrund der BMWi-Studie: Die EU schreibt allen Mitgliedsländern vor, dass 2020 in 80 Prozent aller Haushalte ein intelligenter Stromzähler installiert sein muss – aber nur bei einer positiven Kosten-Nutzen-Analyse. Die meisten EU-Länder haben bereits eine Analyse vorgelegt, viele mit dem Einbau in Haushalten begonnen. Deutschland hat einen breiteren Weg eingeschlagen und nicht nur einen digitalen Zähler konzipiert, sondern zusätzlich ein universelles Zugangsgerät für das Smart Grid.

Nutzer dieser Smart Meter Gateways sollen künftig auf verschlüsseltem Weg mit Anbietern innovativer Energie-Dienste kommunizieren können. Das Gateway soll das sichere Zugangsgerät zu diesem Netz der Zukunft werden und muss höchsten Sicherheits- und Datenschutzstandards entsprechen. Hierzu wurden vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) unter Einbindung des Bundesdatenschutzbeauftragten, der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt, der Bundesnetzagentur sowie einigen Verbänden ein Schutzprofil und eine umfangreiche technische Richtlinie erarbeitet. Jedes Gerät muss zukünftig vom BSI zertifiziert werden.

Die Studie empfiehlt bei der Kosten-Nutzen-Abwägung, bis zum Jahr 2022 insgesamt 32,6 Millionen intelligente Zähler und Zugangsgeräte zu installieren. In 20 Millionen Haushalten sollte beim nächsten turnusgemäßen Austausch des Stromzählers statt eines mechanischen ein digitaler Zähler eingebaut werden. Diese kommunizieren jedoch nicht mit der Außenwelt. Ein Mitarbeiter des Energieversorgers muss hier weiterhin zum Ablesen des Stromverbrauchs vorbeischauen oder der Verbraucher muss seine Zählerstände wie bisher übermitteln.

Rund 12 Millionen Haushalte sollen zusätzlich zum digitalen Zähler ein spezielles Zugangsgerät für das Intelligente Stromnetz erhalten. Mit diesem können sie dann aktiv mit dem Stromnetz kommunizieren und sämtliche neuen Energiedienste nutzen. Laut Studie sollten damit Haushalte mit einem Verbrauch von über 6 000 kWh pro Jahr ausgestattet werden, zudem Neubauten, Häuser nach Renovierungen sowie die meisten Betreiber von so genannten EEG-Anlagen. Das sind Netznutzer, die selbst Energie produzieren – meist per Solarzellen oder Windkraft.

Durch eine vollständige Vernetzung und Digitalisierung hin zu Smart Grids könnten im deutschen Energiesektor rund 9 Milliarden Euro jährlich eingespart werden. Das hatte eine Studie des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung im Auftrag des Bitkom zu Intelligenten Netzen ergeben. (js)