Menü
iX Magazin

Beginnen Spammer zu lernen?

Von
vorlesen Drucken Kommentare lesen 296 Beiträge

Seit der Trennung des Hosters McColo vom Internet ist eine zunehmende Zweiteilung der E-Mail-Anwenderschaft zu beobachten. Manche Mailserver-Admins sehen inzwischen das Spam-Aufkommen praktisch wieder auf dem "Normalpegel" oder sogar darüber. Andere berichten von drastischen Rückgängen auf Bruchteile des ohnehin schon niedrigen Niveaus "nach McColo".

Als mögliche Ursache für das geteilte Bild kommt infrage, dass ein Teil der Mailserver unerwünschte E-Mails abweist ("Reject"), ein anderer Teil zunächst alle Mails annimmt und dann erst auf Spam-Kriterien hin untersucht. Die von iX befragten Betreiber "ablehnender" Mailserver sprechen meist von deutlichen Rückgängen der Zustellversuche. Auf Mailservern dagegen, die alle Mails annehmen, zum Teil als Spam markieren und zustellen, herrscht dagegen Hochbetrieb.

Beginnen Spammer zu lernen? (4 Bilder)

Eine Schere öffnet sich

Seit Ende 2008 driftet das Spam-Aufkommen bei Kunden von antispameurope stark auseinander, je nachdem, ob die Mailserver Spam-Mails zunächst annehmen (rot) oder nicht (grün). (Bild: www.antispameurope.de)

Die immer deutlichere Zweiteilung bestätigt der Filter-Dienstleister antispameurope. Auf der von ihm zur Verfügung gestellten Grafik (siehe Bilderstrecke) ist deutlich zu erkennen, dass Spammer seit Mitte November offenbar daraus lernen, ob ihr Werbemüll angenommen wird oder nicht. Kunden, die ihren Mail-Verkehr zunächst selbst annehmen und zum Filtern weiterleiten, erhalten bereits deutlich mehr Spam als noch im November. Bei denjenigen, die verdächtige Mails gleich ablehnen lassen, ist die Zahl der Zustellversuche dagegen regelrecht zusammengebrochen.

Nicht ganz so deutlich äußert sich eleven: Der Filter-Anbieter bestätigt zwar, dass die Zustellrate bei Referenz-Accounts, die zunächst alle Mails annehmen, wieder praktisch so hoch ist wie zu McColo-Zeiten. Es scheine auch bei einigen Kunden einen Zusammenhang zwischen Rejects und Spam-Entwicklung zu geben, aber keine einheitliche Entwicklung.

Peer Heinlein von Heinlein Professional Linux Support, dessen Systeme ebenfalls eine große Zahl von E-Mails im Kundenauftrag verarbeiten, bestätigt dagegen die Vermutung, dass sich Rejects in den letzten Wochen stark auf die Zahl der Zustellversuche ausgewirkt haben. Nach seinen Beobachtungen ist deren Zahl seit etwa Mitte Januar "dramatisch gesunken".

Auch die Zahl der Blacklist-Abfragen bei der iX, ein guter Indikator für die allgemeine "Reject-Lage", sinkt etwa seit dem Jahresbeginn. IP-Blacklists werden häufig dazu eingesetzt, E-Mails abzuweisen, auch wenn diese Vorgehensweise umstritten ist. Warum Spam-Versender momentan einen Bogen um die etwas wehrhafter konfigurierten Systeme machen, ist unklar. Die meisten zunächst angenommenen Mails landen schließlich ebenfalls in digitalen Mülltonnen. (un)