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Bitkom erklärt Big Data

Der Branchenverband erklärt Entscheidern in einem kostenlosen Leitfaden Technik und Einsatz von Big Data. Deutsche Unternehmen sollen einen Wettbewerbsvorteil haben, die öffentliche Verwaltung das Bürgerverhalten vorhersagen.

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Der deutsche IT-Branchenverband Bitkom hat einen Leitfaden zu "Big-Data-Technologien" veröffentlicht. Er soll Verantwortlichen in Wirtschaft und öffentlicher Verwaltung die Technik erklären und bei Entscheidungen helfen. Mitgearbeitet haben daran IT-Spezialisten sowie Wirtschaftsfachleute, Juristen und Experten für Aus- und Weiterbildung. Vor allem bei der Ausbildung von Data-Scientists bestehe Nachholbedarf.

Das kostenlos erhältliche, gut 200 Seiten starke PDF erklärt Konzepte wie In-Memory-Verarbeitung oder Complex Event Processing (Echtzeitauswertung). Ausführlich kommt Hadoop zur Sprache, außerdem Komponenten zur Verarbeitung (Analytik) und Aufbereitung (Visualisierung) von Daten. An zwei Beispielen wird die Integration von Big Data und Business-Intelligence-Systemen vorgestellt. Im letzten Kapitel empfehlen die Autoren unter dem Titel "Ausgewählte Anbieter von Technologien, Lösungen und Know-how" genau die Unternehmen, bei denen sie selbst tätig sind.

Laut Bitkom wächst die Bedeutung von Big Data in allen Branchen und Lebensbereichen und wird mit Themen wie Cloud Computing, Industrie 4.0 und Mobile Computing zusammenwachsen. Der "Druck des Marktes" führe unweigerlich dazu, dass immer mehr Daten gesammelt würden. Schließlich sei es der Kunde selbst, der nicht mehr "als anonymes Profil", sondern "als Persönlichkeit mit individuellen Bedürfnissen behandelt werden" wolle.

"Social-Media-Stimmungsdaten" illustrieren Fahspaß: Visualisierung einer Big-Data-Auswertung sozialer Netze anhand der Stichworte "Ärger", Automarke, Fahrzeugtyp, "Verbrauch".

(Bild: BITKOM)

Künftig werde es in Unternehmen und der öffentlichen Verwaltung normal sein, für Entscheidungen auf Big-Data-Analytik zurück zu greifen. Jede Organisation müsse über Geschäftsprozesse, Marktentwicklungen und Kundenbefürfnisse informiert sein, um einen Wettbewerbsvorteil zu erlangen.

In der öffentlichen Verwaltung könne Big Data dabei helfen, "Vorhersagen über Bürger und deren Verhalten" zu erstellen und so beispielsweise den Verkehrsfluss zu beschleunigen oder die Sicherheit durch "optimierte" Einsatzpläne für Polizeikräfte zu verbessern. Genehmigungsverfahren könnten beschleunigt werden, wenn Betrugsmuster automatisch erkannt würden.

Dem Thema Datenschutz ist ein eigenes Kapitel gewidmet. Die von Big Data aufgeworfenen "ethischen Fragen" werden unter dem Begriff "Sozialrisiko" zusammengefasst. Dazu heißt es: "Die Auswertung von Unmengen an Daten aus bisweilen oftmals kritischen Quellen, wie beispielsweise sozialen Netzwerken, vermittelt innerhalb der Bevölkerung den Eindruck, von Staaten und Unternehmen umfassend überwacht zu werden." Durch diesen Eindruck könne die Kundenbindung Schaden nehmen, weil Menschen im Gefühl bestärkt würden, "unter permanenter Beobachtung" zu stehen. Zudem litten Unternehmen an Angst vor schlechter PR und würden womöglich als "Datenkrake" bezeichnet.

Als mögliche Antwort auf die "Herausforderungen im Umgang mit persönlichen digitalen Daten" wird die Bildung eines staatlichen gesteuerten Marktes empfohlen. Diese "Deutsche Daten-Treuhand" (DEDATE) soll als öffentlich-rechtliche Körperschaft den Handel mit persönlichen Daten überwachen. Vorgeschlagen hat diese Idee des Fraunhofer-Zentrums für Mittel- und Osteuropa (MOEZ), das ebenfalls am Leitfaden mitgearbeitet hat. (tiw)