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Britische Regierung entschuldigt sich für die Verfolgung Alan Turings

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Der britische Premierminister Gordon Brown hat auf eine Online-Petition geantwortet, in der eine Entschuldigung für die Verfolgung des Mathematikers und Kryptoanalytikers Alan Turing durch den britischen Staat gefordert wird. Brown bezeichnet die Behandlung Turings, der sich 1952 einer chemischen Kastration unterzog, in einer Mitteilung als schrecklich. Er entschuldige sich im Namen der britischen Regierung. Die vom britischen Software-Entwickler John Graham-Cumming initiierte Petition haben rund 31.000 Menschen unterzeichnet.

Alan-Turing-Denkmal in Manchester.

(Bild: User Lmno on en.wikipedia. Lizenz: GNU Free Documentation License)

Turing hatte mit seiner Beschreibung einer universellen Maschine eine der Grundlagen für die Computertechnik geschaffen. Im Zweiten Weltkrieg war er maßgeblich daran beteiligt, den von der deutschen Armee verwendeten Enigma-Code zu brechen. Brown meint, ohne Turings "außerordentlichen Beitrag" wäre der Zweite Weltkrieg möglicherweise anders verlaufen. Es sei Menschen wie Alan Turing zu verdanken, dass der Holocaust und der totale Krieg Teile der europäischen Geschichte und nicht der Gegenwart seien.

Vor diesem Hintergrund sei es um so entsetzlicher, dass Turing 1952 wegen seiner Homosexualität verurteilt wurde. Turing war vor die Wahl gestellt worden, ins Gefängnis zu gehen oder sich einer chemischen Kastration durch eine Reihe von Hormonspritzen zu unterziehen. Zwei Jahre später nahm sich Turing das Leben.

Tausende Menschen seien zusammengekommen, um Gerechtigkeit für Alan Turing zu fordern, schreibt Brown. Auch wenn der Mathematiker nach den damals geltenden Gesetzen behandelt worden sei und die Zeit nicht zurückgedreht werden könne, müsse gesagt werden, dass absolut ungerecht mit ihm umgegangen worden sei. Brown wolle die Chance nutzen und sein tiefstes Bedauern ausdrücken. Der Premierminister erwähnt auch, dass außer Turing noch viele andere Menschen unter den homophoben Gesetzen der Zeit zu leiden gehabt hätten. (Andreas Wilkens) / (anw)