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Cisco Live: Richtlinien statt Kommandozeile

Mit DNA und DNA Center stellte Cisco auf seiner Hauskonferenz sein neues Intent-basiertes Netzwerk vor. KI- und ML-Technik soll das klassische CLI ablösen.

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Cisco Live USA: Richtlinien statt Kommandozeile

(Bild: Cisco)

Auf der Cisco Live USA sahen rund 26.000 Teilnehmer dieses Jahr statt der sonst üblichen Aneinanderreihung von Neuankündigungen eine Öffnung des Cisco-Ökosystems für Entwickler und die Partnerschaft mit Google Cloud. Bei der Technik standen vor allem Cisco DNA und DNA Center, ein neues Intent-basiertes Netzwerk, im Vordergrund der Veranstaltung. Sie sollen mit Automatisierungs- und Prüftechniken (Assurance) sicherstellen, dass die Infrastruktur sich so verhält, wie man es möchte (Intent). Anstelle des bisherigen Ansatzes mit kleinteiligen Konfigurationsänderungen über die CLI der Netzwerkgeräte, betrachten Administratoren das Netzwerk hierbei als großes Ganzes und verwalten es auf der Richtlinienebene.

Die Grundidee des Intent-basierten Netzwerks ist die Spezifikation eines gewünschten Netzzustands via Richtlinien durch die Verantwortlichen – Automatisierungstechniken im Netzwerk sollen ihn anschließend auf den beteiligten Netzwerkgeräten in Echtzeit umsetzen. Zusätzlich lässt sich über eine Assurance-Komponente sicherstellen, dass das Netzwerk den gewünschten Zustand tatsächlich einhält. Technisch bewerkstelligen dies Machine-Learning-Algorithmen, die kontinuierlich den Soll- mit dem Ist-Zustand abgleichen und bei Abweichungen eingreifen.

Ciscos CEO Chuck Robbins bekräftigte im Interview mit iX, dass Machine-Learning- und Artificial-Intelligence-Technik eine wichtige Rolle spielt: "Machine Learning kommt natürlich in Ciscos kompletten Security-Portfolio zu tragen; in ETA (Encrypted Traffic Analytics), hier können wir dank Machine Learning Bedrohungen im Netzwerkverkehr erkennen, ohne die Verschlüsselung aufzubrechen. Außerdem verwenden wir Machine Learning auch in unseren neuen Assurance-Produkten innerhalb des Intent-Based Networking, die wir hier auf der Messe vorstellen."

Ein weiterer Schwerpunkt der Veranstaltung: Cisco will sich als zentralen Hersteller für eine DevOps-Plattform im Rechenzentrum und in der Cloud positionieren. Die an Entwickler gerichtete Botschaft war: "APIs sind die neue Kommandozeile". Bislang hakte es etwas am offenen Zugriff auf die APIs des Netzwerkherstellers. Seit 2014 versucht Cisco dies mit der Entwickler-Community DevNet unter der Leitung von Dr. Susie Wee zu ändern. Sie betonte, dass DevNet mit 500.000 registrierten und über 70.000 regelmäßig aktiven Entwicklern nun eine "kritische Masse" erreicht habe. Teil der Ankündigungen war hierzu die neue Plattform Code Exchange, über die Entwickler auf von Cisco gepflegten GitHub-Projekten zusammenarbeiten können.

Produktseitig ist der Dreh- und Angelpunkt für die Öffnungstendenzen des Herstellers erwartungsgemäß das neue Intent-basierte Netzwerk. Cisco konnte mit 15 Partnern aufwarten, die bereits Erweiterungen für das DNA Center anbieten, darunter der IPAM-Spezialist Infoblox und der IT-Service-Management-Anbieter ServiceNow.

Nicht fehlen durfte auf der Veranstaltung die fast schon obligatorische Partnerschaft mit einem Cloud-Anbieter – anscheinend sucht momentan jeder klassische IT-Infrastrukturanbieter den Schutlerschluss mit einer der Größen der Public Cloud. Nachdem sich VMware bereits mit AWS zusammentat, fiel Ciscos Wahl auf Google Cloud. Dementsprechend wurden Diane Greene, CEO von Google Cloud, 20 Minuten innerhalb der Keynote des ersten Tags der Konferenz eingeräumt.

Aber auch die vielbeschworene Multicloud behält Cisco im Blick: Andere Anbieter wie Microsofts Azure, Amazons AWS und VMwares vSphere versorgt der Hersteller mit ACI Anywhere, das den homogenen Betrieb von Ciscos SDN-Plattform nicht mehr nur auf Basis der hauseigenen Nexus-9000-Switches erlaubt. (Jens-Henrik Söldner, Udo Steinegger, Torsten Volk) / (fo)