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Cisco veröffentlicht H.264-Codec als freie Software

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Eine kostenfrei verfügbare Implementierung des durch Patente geschützten Video-Codec H.264 will Cisco in "einigen Monaten" für alle Interessierten bereitstellen. Der Code dafür wird unter der BSD-Lizenz stehen, wie das Unternehmen in einer FAQ-Sammlung auf der Website openh264.org erläutert. Er kann also von jedermann beliebig verändert werden. Parallel stellt Cisco eine Binärversion zunächst für Linux, Windows ab XP, Mac OS X und Android zur Verfügung. Für Apples Mobilbetriebssystem iOS wird es sie vorerst nicht geben, da Apps dort keinen Code herunterladen und ausführen dürfen.

Für dieses Binärmodul des Codec trägt Cisco sämtliche Lizenzzahlungen an den Patentpool der MPEG LA. Wer jedoch den Source-Code ändert, muss bei Verwendung dieser modifizierten Fassung die Lizenzkosten selbst tragen. In seinem Blog schreibt der unter anderem am freien Ogg-Codec beteiligte Mozilla-Mitarbeiter Christopher "Monty" Montgomery, dass der jetzige Schritt Cisco zurzeit 6,5 Millionen US-Dollar jährlich kosten werde. Für diesen Betrag darf ein Lizenznehmer eine unbeschränkte Anzahl von Kopien seines Codec verbreiten.

"Wir haben verloren, und wir gestehen die Niederlage ein," bewertet Montgomery die Folgen von Ciscos Entscheidung: "Cisco öffnet den Weg für einen geordneten Rückzug. Damit bleibt den Anhängern eines offenen Web eine Position, die stark genug ist für kommende Auseinandersetzungen."

Die Mozilla Foundation hat bereits angekündigt, Ciscos Codec in Zukunft für die Multimedia-Kommunikation mit anderen Browsern via WebRTC zu nutzen. Sein freier Firefox werde den Binär-Codec bei Bedarf nachladen, wenn der Benutzer dies nicht in den Einstellungen unterbinde. Google hingegen sagte gegenüber GigaOM, es wolle bei seinem eigenen Video-Codec VP8 bleiben.

Für die Nutzung der H.264-Patente bietet die MPEG LA Lizenzen an, garantiert jedoch nicht, dass davon alle diesbezüglichen Schutzrechte abgedeckt sind. Das Konsortium erlaubt die kostenfreie Nutzung des Codecs für das freie Streamen von Videos bis 2015. Google wiederum will seit Langem seinen lizenzkostenfreien Open-Source-Codec VP8 als Standard für Web-Streaming und WebRTC etablieren. 2011 meldeten zwölf Firmen bei der MPEG LA Patentrechte an, die der freie Codec verletzen könnte. Daraufhin schloss Google Mitte 2013 ein Lizenzabkommen mit dem Gremium, an dem Nokia jedoch nicht teilnimmt. Der finnische Smartphone-Hersteller klagt mittlerweile wegen Patentverletzung gegen HTC wegen der Nutzung von VP8 in dessen Android-Geräten. (ck)