Desktop-PCs belasten die Umwelt doppelt so stark wie Thin Clients

Green IT ganzheitlich: Eine neue Studie der Fraunhofergesellschaft untersucht nicht nur den Energieverbrauch, sondern mit den Punkten Herstellung, Betrieb und Entsorgung den gesamten Lebenszyklus von Geräten.

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  • Barbara Lange

Wenn es um Klimaschutz geht, steht meistens der Energieverbrauch von Geräten im Zentrum der Betrachtung. Einen Schritt weiter geht die aktuelle Studie "Ökologischer Vergleich der Klimarelevanz von PC und Thin Client Arbeitsplatzgeräten 2008", die das Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT im Auftrag von Igel Technologies erstellt hat: Sie untersucht mit den Punkten Herstellung, Betrieb und Entsorgung den gesamten Lebenszyklus der Geräte.

Demnach sind Thin Clients wesentlich umweltverträglicher als Desktop-PCs. "Wird ein Desktop-PC durch einen Thin Client inklusive Terminal Server ersetzt, sinken die Emissionen des Arbeitsplatzrechners um 54 Prozent heißt es in der Studie dazu. Als Thin Clients definiert die Studie sogenannte "moderne Terminals", Arbeitsplatzgeräte, die deutlich kleiner als PCs sind, keine beweglichen Teile wie Festplatten oder Lüfter haben und die Datenverarbeitung von einem zentralen Server erledigen lassen.

Für den ökologischen Vergleich legen die Autoren der Studie den Schwerpunkt auf die Treibhausgasrelevanz von IT-Geräten und nutzen als CO2-Äquivalent den GWP-Wert (Global Warming Potential).

In Zahlen ausgedrückt: 554 kg CO2eq (Thin Clients) stehen 1.211 kg CO2eq (PC-Desktops) gegenüber. Gewählt wurde ein Zeitraum von fünf Jahren, der der durchschnittlichen Nutzungsdauer der Geräte entspricht.

Unternehmen und Behörden können also noch einiges tun, um sowohl einen Beitrag zum Klimaschutz als auch für ihr Budget zu leisten. In mehreren Beispielen rechnet die Studie vor, wieviel Treibhausgase zum Beispiel ein Unternehmen mit 300 Arbeitsplätzen durch den Einsatz von Thin Clients verhindern kann: Innerhalb von fünf Jahren sind es 148 t CO2eq. Sagt erstmal nicht viel, daher nutzen die Autoren einen Vergleich aus der Welt des Automobils: Der Wert entspräche den Emissionen eines VW Golf TDI, der damit knapp 1,1 Millionen Kilometer fahren kann – 27 Mal um die Erde. Da Unternehmen aufgrund der technischen Anforderungen nicht auf alle Desktop-PCs verzichten können, beziehen sich alle Beispiele auf einen Ersatz von 75 Prozent der PCs durch Thin Clients.

Die Studie basiert auf der Erkenntnis, dass der ökologische Fußabdruck der IT-Branche steigt: hoher Energiebedarf, eine schnell wachsende Abfallmenge aufgrund einer immer kürzeren Nutzungsdauer der Geräte. Dem stellen die Forscher aus dem Fraunhofer-Institut das Konzept der Ökoeffizienz und Dematerialisierung entgegen, das die zu erfüllende Aufgabe in den Vordergrund stellt. Daher die Empfehlung, alternative Infrastrukturen aufzubauen, die die gleiche Funktion in der gleichen Qualität erfüllen, aber die Umwelt deutlich weniger belasten.

Derzeit wächst der Markt für Thin Clients laut Studie zwar schneller als für Desktop-PCs, aber auf geringerem Niveau. 2008 werden wohl innerhalb der EU 27 Millionen neue Desktop-PCs stehen, aber nur 1,2 Millionen Thin Clients. Aber 8,2 Millionen der neuen PCS könnten durch ihre schlanken Konkurrenten ersetzt werden, 1,6 Millionen in Deutschland, schätzen die Autoren. Ein Potenzial für Thin Clients in Kombination mit Web 2.0 sehen sie auch in privaten Haushalten.

Insgesamt müsse aber noch mehr für die Verbreitung getan werden, zum Beispiel durch die Platzierung in Beschaffungsleitfäden, durch Aufklärung und verbessertes Marketing. Barbara Lange (js)