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Desktop-Pionier: Einblick in den Source-Code des Xerox Alto

Mit dem Alto nahmen Xerox und das PARC ab 1972 viele Funktionen heutiger Computer vorweg. Für geschichtlich interessierte Nutzer hat das Computer History Museum nun mehrere Teile des Source-Codes zur Verfügung gestellt.

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Das Computer History Museum in Mountain View, Kalifornien, hat einen Teil des Source-Codes des Xerox Alto zur freien Einsicht zur Verfügung gestellt. Somit erhalten geschichtlich interessierte Nutzer einen Einblick in die Struktur eines Pioniers, der viele Funktionen heutiger Rechner vorweg nahm.

Ungetüm: Der Xerox Alto gilt zwar als Pionier heutiger Computer, hat auf den ersten Blick jedoch wenig mit ihnen gemein.

(Bild: Computer History Museum)

Entwickelt wurde der Alto ab 1972 in den Laboren des Palo Alto Research Center (PARC) der Firma Xerox als ein Personal Computer von Bob Taylor, Chuck Thacker, Butler Lampson und Alan Kay sowie weiteren Forschern. Dabei hatten die Designer jedoch keinen PC im Sinne von IBMs späteren Modellen im Sinn, sondern wollten sich von den damals noch dominanten Großrechnern in Unternehmen abgrenzen. Inspiriert von Douglas Engelbarts oN-Line System (NLS) entwarf das Team eine grafische Oberfläche, auf der Nutzer erstmals mit einer Maus einen Desktop mit Fenstern manipulierten.

Heute fällt beim Alto auf den ersten Blick vor allem das ungewohnte Design der Hardware auf: Der Monitor ist vertikal orientiert und bietet eine Auflösung von 606 x 808 Pixeln – in Schwarz und Weiß. Als Prozessor kam ein 74181 von Texas Instruments zum Einsatz, ein evolutionärer Zwischenschritt vor dem Aufkommen der heutigen Mikroprozessoren. Hinzu kamen wenigstens 128 KByte RAM, maximal waren 512 KByte vorgesehen. Für das lokale Speichern sahen die Entwickler ein System mit auswechselbaren Platten mit je 2,5 MByte vor.

Ausblick: Mit dem Alto entwarfen die Designer einige grafische Programme, zum Beispiel den E-Mail-Client Laurel.

(Bild: Computer History Museum)

Jedoch waren Nutzer nicht auf ein Speichern auf der Festplatte beschränkt: Das hauseigenen Netzwerk Pup (PARC Universal Packet) verband Fileserver, Drucker und das ARPANET mit dem eigenen Arbeitsplatz. Hinzu kam Software wie die grafische Textverarbeitung Bravo (WYSIWYG – What You See Is What You Get), mehrere Programme zum Malen von Bitmaps und Vektoren sowie der E-Mail-Client Laurel. Zudem ließ sich mit vier Sprachen programmieren: BCPL, Mesa, Smalltalk und Lisp.

Trotz seiner wegweisenden Funktionen schaffte es der Alto nie aus den Laboren heraus. Zwar kam er bei Xerox und einigen Universitäten zum Einsatz, im Handel konnte der Endverbraucher ihn nie kaufen. Entsprechend blieb es bei etwa 2000 Rechnern, die das Team herstellte. Jedoch inspirierte das System die Entwicklung von GUI-basierten Geräten wie den Macintosh und stellte den Ausgangspunkt für die Workstation Star von Xerox dar.

Der frei zugängliche Source Code entstammt mehreren Snapshots aus den Jahren 1975 bis 1987. Es finden sich neben dem OS auch mehrere Werkzeuge, Programmiersprachen und Software in den Paketen. Hinzu kommt eine ausführliche Dokumentation in Form der Handbücher. Das Projekt ist Paul McJones zu verdanken, der selbst beim PARC mit dem Alto arbeitete. (fo)