Menü
iX Magazin

.中國, .中国: Domains für eine Milliarde Menschen

vorlesen Drucken Kommentare lesen 292 Beiträge

Nachdem der Vorstand der Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN) auf seiner Brüsseler Sitzung in der vergangenen Woche die neuen Top Level Domains (TLD) für China, Taiwan und Hongkong abgesegnet hat, öffnet sich in den kommenden Monaten ein riesiger Markt für durchgehend chinesische Domainnamen. ICANN-Präsident Rod Beckstrom bezeichnete den Schritt als "historischen Moment". Immerhin spreche jeder fünfte Erdenbürger Chinesisch als Muttersprache. Noch vor den chinesischen Zonen hatten einige arabische Eingang in die Rootzone gefunden. Als nächste nicht-lateinische TLDs sollen lokalisierte Varianten von Jordanien, Palästina, Tunesien und Thailand folgen.

Die Internationalisierung der Rootzone hatte die Entwickler bei der Internet Engineering Task Force (IETF), DNS-Experten in diversen Ländern und die privaten Netzverwalter der ICANN jahrelang beschäftigt. Die chinesische Domainvergabestelle CNNIC (China Internet Network Information Center) hatte, argwöhnisch beäugt von westliche DNS-Experten, testhalber bereits im Januar 2000 mit der Registrierung chinesischer Domains begonnen. Selbst eine Spaltung des bis dahin einheitlichen DNS galt damals als möglich.

Jetzt konnte das staatliche CNNIC, zuständig für .cn und nun auch für xn--fiqs8S , 中国, also China in Kurzzeichen, beziehungsweise xn--fiqz9S , 中國, also China in klassischen chinesischen Zeichen, sogar einen Erfolg gegenüber den arabischen Kollegen verbuchen, indem die beiden Varianten gleichzeitig in die Rootzone gehen werden. Auch Taiwan erhielt sofort eine Delegationszusage für Lang- und Kurzform: xn--kpry57d, 台灣, beziehungsweise xn--kprw13d, 台湾. Der zu China gehörende Stadtstaat Hongkong muss erst einmal mit einer Version zufrieden sein, xn--j6w193g, 香港, und die Entwicklung weiterer Varianten abwarten.

Ebenfalls abwarten muss Bulgarien, das die kyrillische Entsprechung von .bg im Schnellverfahren beantragt hatte. Diesen Antrag hat die ICANN abgelehnt, da die kyrillische TLD .бг der brasilianischen .br zu ähnlich sehe. Aleksander Tsvetkov, zuständiger bulgarischer Minister, kündigte nun in einem Interview in der bulgarischen Presse an, dass man bei der ICANN eine Wiederaufnahme und Überprüfung der Entscheidung beantragen werde.

Das Durchwinken der chinesischen Top-Level-Domains gehörte neben dem Beschluss zur Neuverhandlung für eine Rotlichtdomain .xxx zu den meistbeachteten Entscheidungen des ICANN-Vorstands. Ob .xxx diesmal die Bedenken aus dem Regierungslager überspringen und in die Root gehen kann, ist noch offen. (Monika Ermert) / (un)