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HPE "The Machine": Zweiter Prototyp mit 160 TByte Arbeitsspeicher

HPE baut The Machine weiter aus - der Rechner soll einen Architekturwechsel zum "Memory Driven Computing" einläuten. Das System schöpft die Möglichkeiten der photonischen Links voll aus, HPE schweigt sich allerdings darüber aus, wo diese liegen.

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HPE: Zweiter Prototyp von "The Machine"

Nach dem ersten Prototypen von "The Machine" im Oktober 2016 gab HPE jetzt die Inbetriebnahme einer zweiten Version im Labor in Fort Collins (Colorado) bekannt. HPE hatte das Projekt ursprünglich 2014 lanciert. Statt 4 TByte wie beim ersten Prototypen bietet diese Maschine 160 TByte Arbeitsspeicher und auch sonst etliche Verbesserungen der Systemarchitektur. HPE spricht in der Pressemitteilung von einem "Meilenstein" und dem "weltgrößten Computer mit einheitlichem Arbeitsspeicher".

"The Machine" ist laut Andrew Wheeler, Vice President und Deputy Director der Hewlett Packard Labs, das größte Forschungs- und Entwicklungsprogramm in der Geschichte des Unternehmens: eine neue Computer-Architektur – Memory-Driven-Computing – jenseits der klassischen Von-Neumann-Konzepte, die den Prozessor in den Mittelpunkt des Systems stellen.

Beim Memory-Driven-Computing steht der Arbeitsspeicher im Zentrum der Architektur. Durch das Vermeiden von Flaschenhälsen bei der Interaktion zwischen Arbeitsspeicher, Plattenspeicher und Prozessoren erlaubt es völlig neue Applikationen, erfordert aber auch andere Betriebskonzepte sowie Middleware und eine radikal andere Software-Entwicklung. Eine schlichte Portierung bewährter Anwendungen beschleunigt zwar die Nutzbarkeit von The Machine, reizt aber die Performance-Vorteile nicht aus.

Der heute vorgestellte Prototyp hat 160 TByte Arbeitsspeicher. Es war laut Wheeler vorher nie möglich, diese Datenmenge in einem System mit einheitlichem Arbeitsspeicher vorzuhalten und zu bearbeiten. Basierend auf dem aktuellen Modell erwartet HPE, dass die Architektur leicht bis zu einem System mit einheitlichem Arbeitsspeicher in Exabyte-Größe skaliert werden kann und in einem Rackverbund mit mehreren Adressräumen bis zu 4.096 Yottabyte. Der neue Prototyp bietet:

  • 160 TByte Shared Memory über 40 physische Rechnerknoten, untereinander verbunden mit einem eigenen Fabric-Protokoll;
  • ein Linux-basiertes Betriebssystem, das auf ThunderX2 läuft, der ARMv8-SoC-Architektur der zweiten Generation von Cavium;
  • optische Kommunikationsverbindungen, darunter das neue Photonics-Modul X1;
  • Softwareprogrammierungs-Werkzeuge, um die Vorteile des neben DRAM verbauten nicht-flüchtigen Arbeitsspeichers voll auszuschöpfen.

Weitere Details zu diesem Prototypen – etwa Bitrate oder Bandbreite der verwendeten Photonic – sind bisher nicht bekannt. Memristoren als nicht-flüchtige Speicherbausteine wurden jedenfalls noch nicht verbaut, teilte Wheeler im Interview mit; ihr Einsatz bei The Machine sei aber nach wie vor geplant. Bezüglich Termin oder Zeitfenster für die finale Version hielt er sich bedeckt.

(Berthold Wesseler) / (jab)