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IBMs Umbau kostet – vor allem Arbeitsplätze

Der genaue Umfang steht noch nicht fest, doch der IT-Konzern wird weltweit Stellen abbauen. In Indien geht es los, und auch Deutschland wird betroffen sein. Ziel ist es, den Gewinn pro Aktie um ein Drittel zu steigern.

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13.000? 15.000? Ob nun Toni Sacconaghi, Analyst bei Bernstein Research, oder die US-Gewerkschaft IBM Union Alliance richtig liegen, ist im Grund egal. Sicher ist in jedem Fall, dass die Firma auch 2014 wieder in erheblichen Maße Stellen streichen wird. Als der Kahlschlag diese Woche in Indien begann, sprachen Mitarbeiter laut Zeitungsberichten von einem Gemetzel.

Bei mehr als 100.000 Beschäftigten, die IBM dort zählt, wird die indische Organisation sicherlich die Hauptlast zu tragen haben. Aber auch Europa bleibt nicht verschont. Wie Gewerkschaftskreisen bestätigten, sollen allein in Deutschland mehr als 400 Stellen wegfallen. Dabei sollen jedoch keine Kündigungen vorgesehen sein, sondern Abfindungen zum freiwilligen Abschied bewegen oder frei werdende Stellen wegfallen.

"Workforce balancing" nennt das Management in den USA den Schnitt, für den es weltweit 1 Milliarde US-Dollar bereitgestellt hat und der vordergründig dem Konzernumbau geschuldet ist. Im Zuge der Neuausrichtung auf Cloud-Angebote trennt sich IBM von immer mehr traditionsreichen Geschäftssparten. Nachdem es kürzlich den Intel-Server-Zweig an Lenovo verkaufte, steht jetzt die Zukunft des Halbleiter-Bereichs auf dem Prüfstand. Mit den Abteilungen fallen zwangsläufig auch Stellen weg – zumindest innerhalb der IBM. Sie machen aber nur einen Teil der anstehenden Streichungen aus. Vielmehr will die Firma den Gewinn pro Aktie (earnings per share, EPS) von 15 Dollar im Geschäftsjahr 2013 binnen zweier Jahre um 5 Dollar steigern.

Ein weiteres Mittel, die EPS zu erhöhen, ist der Rückkauf eigener Papiere. Analyst Sacconaghi erwartet, IBM werde im laufenden Jahr eigene Aktien für 15 Milliarden Dollar erwerben. Dahinter lässt sich nur schwerlich eine Strategie für langfristig angelegtes operatives Wachstum erkennen. So mancher Marktbeobachter ist daher überzeugt, dass die Gelder besser in der Entwicklung oder dem Zukauf neuer Technologien angelegt wären. Ob das IBM-Management mit dem eingeschlagenen Weg tatsächlich nur die Börse freundlich stimmen möchte? Vielleicht ist ein Auslöser profanerer Natur. Denn laut Sacconaghi, den die US-Wirtschaftsgazette barrons ausführlich zitiert, hängen die Erfolgsprämien des Managements maßgeblich vom EPS-Wert ab. (Achim Born) / (ck)