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IT-Leiter der EU weist Kritik an Vergabepraxis zurück

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Mit der Vergabe eines Software-Rahmenvertrags über 189 Millionen Euro durch die IT-Abteilung der EU-Kommission (DIGIT) hatte sich die Free Software Foundation Europe (FSFE) unzufrieden gezeigt: DIGIT habe Steuergelder nicht sparsam eingesetzt und besitze keine Open-Source-Strategie.

Dem widerspricht jetzt der Leiter von DIGIT, Francisco García Morán, in einem heise online vorliegenden Brief an die FSFE. Ziel der Ausschreibung sei es gerade gewesen, das beste Preis-Leistungs-Verhältnis zu erreichen und dadurch möglichst geringe Kosten zu verursachen – also Steuergelder zu sparen. Zudem gebe es keine Verpflichtung, die genannten 189 Millionen Euro auszugeben. Bei dieser Summe handele es sich vielmehr um den Höchstbetrag, der während der Vertragslaufzeit von maximal vier Jahren verbraucht werden dürfe. Er decke nicht nur Anschaffungen, sondern auch Wartungskosten ab.

Weiter führt García Morán aus, dass die EU-Kommission durchaus eine Open-Source-Strategie verfolge. Sie setze über 350 Linux-Server ein, DIGIT verwalte über 800 Open-Source-Webserver. Sämtliche "neuen Webanwendungen" der Kommission seien von freier Authentifizierungssoftware abgesichert, die 60.000 Anwender und 1 Million Anwendungen jährlich bewältige. Auch bei der Entwicklung spiele Open-Source-Software eine wichtige Rolle, so verwalte eine freie Kollaborationsplattform über 600 Projekte, an denen mehr als 2000 Entwickler arbeiteten.

García Morán widerspricht der "Unterstellung" der FSFE, proprietäre Software sei per definitionem nicht interoperabel oder unfähig, Standards umzusetzen. "Das ist einfach nicht wahr. Proprietäre Software kann Standards genauso gut implementieren wie OSS." Falls die FSFE einen wichtigen IT-Standard kenne, den die Infrastruktur der Kommission zurzeit nicht unterstütze, "wäre ich Ihnen verbunden, wenn Sie mich darüber informieren, damit ich angemessene Maßnahmen ergreifen kann." (ck)