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Keine Zukunft mit Oracles Cloud: Hunderten Mitarbeitern gekündigt

Oracle entlässt in den USA hunderte Cloud-Experten. Die aktuelle Kündigungswelle des Konzerns könnte weltweit bis zu 14.000 Mitarbeiter betreffen.

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Keine Zukunft mit Oracles Cloud: Hunderte Mitarbeiter gekündigt

Softwarekonzern Oracle hat in den vergangenen Tagen mehrere hundert Mitarbeiter an verschiedenen Standorten entlassen. Die meisten Kündigungen betreffen den Geschäftsbereich Oracle Cloud Infrastructure (OCI). Am Hauptsitz in Redwood City, südlich von San Francisco, kündigte der Konzern 250 Mitarbeitern, in Seattle kamen 40 und in Santa Clara 100 hinzu. Betroffen sind unter anderen Software-Entwickler, Web-Designer, System-Administratoren, Product Manager, Datenwissenschaftler und IT-Manager. Viele von ihnen halten sich mit einem Arbeitsvisum in den USA auf und müssen jetzt möglicherweise das Land verlassen.

In einem Statement gegenüber TheRegister.co.uk heißt es über die Entlassungen in Santa Clara: "Oracle hat seinen Produktfokus mit den Qualifikationen abgeglichen. Als Folge wurde einigen Mitarbeitern im Bereich Produkt-Entwicklung gekündigt. Es ist nicht geplant, diese Positionen wieder zu besetzen."

Die Kündigungen in den USA sind Teil einer weltweiten Entlassungswelle. Auch aus Indien werden Kündigungen von 50 Mitarbeitern gemeldet, ebenso viele sollen in Mexiko gehen müssen. Ob und inwieweit Angestellte in Deutschland die Arbeit verlieren, beantwortete Oracles hiesige Niederlassung auf Nachfrage nicht. Auch der Gesamtumfang der aktuellen Entlassungswelle ist nicht bekannt. Gerüchten zufolge soll sie zwischen 5000 und 14.0000 Mitarbeiter betreffen, immerhin zehn Prozent der Gesamtbelegschaft.

"Wir müssen fortlaufend unsere Ressourcen anpassen und unsere Entwicklungsabteilung umstrukturieren, damit wir die richtigen Leute haben, um die besten Cloud-Produkte weltweit anzubieten", sagte Oracle-Pressesprecherin Deborah Hellinger. In einer bei TheLayoff.com veröffentlichten internen E-Mail an die Mitarbeiter heißt es dazu: "Die Änderungen bei OCI bedeuten eine bessere Anpassung an Larrys Business-Vorstellungen." Gemeint ist Larry Ellison, Oracles Mitgründer und CTO.

Ellison positioniert sich seit geraumer Zeit mit seiner Cloud-Strategie vor allem gegen Amazon. Entsprechend nutzte er die beiden jüngsten Hausmessen OpenWorld, um gegen AWS zu argumentieren: Oracle sei billiger und schneller. Doch der Markt verlief bislang nicht nach Ellisons Vorstellungen. Laut den Marktforschern von RightScale betrug Oracles Anteil im vierten Quartal 2018 16 Prozent, damit lag der Konzern hinter IBM, Google, Microsoft und Amazon auf dem fünften Platz.

Hausintern scheint es über den weiteren Cloud-Weg schon seit geraumer Zeit Auseinandersetzungen zu geben. Im September 2018 verließ Thomas Kurian das Unternehmen in Richtung Google – ein langjähriger Weggefährte von Ellison und zuletzt für Oracles Cloud-Geschäft verantwortlich. Sein Nachfolger Amit Zavery hing vor wenigen Wochen ebenfalls seinen Oracle-Job an den Nagel und wechselte zu Kurians Google-Team.

Massenentlassungen sind bei Oracle nicht ungewöhnlich. Vor zwei Jahren mussten rund 1000 Mitarbeiter der SPARC- und Solaris-Teams gehen. Doch damit hatten Beobachter nach der Sun-Akquisition früher oder später gerechnet. Dass sich der Konzern jetzt von den Entwicklungsexperten im zukunftsträchtigen Cloud-Segment trennt, dürfte hingegen überraschen. (Harald E. Weiss) / (fo)