Kommentar contra Netzneutralitäts-Regeln: Der Markt kann es besser

Nun gibt es also endlich Klarheit: Das Internet ist gerettet. Frei und offen soll es bleiben – indem ihm neue Regeln aufgepfropft werden. Moritz Förster von der iX kann der FCC-Entscheidung nur wenig abgewinnen.

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Netzneutralität

(Bild: dpa, Martin Gerten)

Von
  • Moritz Förster

Wer Freiheit mit Regulierung gleichsetzt, darf sich jetzt freuen. Aber letztlich bedeutet die Entscheidung des US-Regulierers FCC, dass Internet Service Provider (ISP) nicht bestimmen dürfen, was mit ihren Diensten geschieht. Für sie muss per staatlichem Dekret jeder Inhalt gleich viel wert sein, egal ob es sich um Schmuddelfilme oder Forschungsergebnisse handelt. Und genau so argumentieren Befürworter auch, denn Netzneutralität sei die Grundlage für Demokratie ohne die niederträchtigen Kräfte eines entfesselten Kapitalismus. Was sie übersehen: Es ist genau dieses System der chaotischen und freien Konkurrenz gewesen, dass Dinge wie Computer und Netzwerke erst durchgesetzt hat.

Stattdessen greift die Angst vor dem Zwei-Klassen-Netz vor der eigenen Haustür um sich: Ein Internet, in dem Verbraucher auf dem Trockenen sitzen, während sich die Konzerne die Daten wie Sektkorken um die Ohren knallen. Zunächst einmal bedeutet eine Überholspur noch lange nicht, dass der knausrige Verbraucher unbedingt der Dumme ist. Wer mehr zahlt, bekommt nach marktwirtschaftlichen Prinzipien auch mehr. Leiste ich mir den Express bei der Post, ist er schneller da. Charter ich einen Privatjet, darf ich mich über eine komfortable Reise freuen. Will ich eben weniger ausgeben, muss ich länger warten, bis die Post ankommt und mich in die Scheunen-Klasse im Flieger quetschen. Und wer den rapiden Zugriff auf Netflix benötigt, kann eben auch mehr für diese Leitung zahlen.

Ein Kommentar von Moritz Förster

Moritz Förster schreibt seit 2012 für die iX und heise online. Er betreut neben dem iX-Channel die Bereiche Arbeitsplatz und Server.

Ein beliebtes Argument ist, dass genau diese Einstellung Innovationen abwürgen würde. Merkwürdig nur, dass es bisher ziemlich viele Innovationen im Bereich des Internets genau ohne diese Regeln gab. Mit den Regulierungen wird wohl vor allem eine Innovation blühen: die der privaten Netze. Denn solche können Betreiber natürlich nach eigenem Ermessen für Kunden aufsetzen. Bisher geschah das auch mal schnell im eigentlich öffentlichen Netz per SDN (Software Defined Networking). Damit ist nun wohl Schluss und die ISP konzentrieren sich auf ihre Profit-Kunden, die sich mehr Geschwindigkeit oder Zuverlässigkeit für bestimmte Dienste wünschen. Der Verbraucher hat davon natürlich herzlich wenig. Würde ein freies, marktwirtschaftliches Internet existieren, könnten sich alle über neue Techniken freuen. So bieten Betreiber das an, was sie irgendwie müssen und wenden sich lieber ihren Firmenkunden zu. Tschüss, zackiges Netflix.

Innovationen und Kundenfreundlichkeit entwickeln sich nicht aus Regulierungen eines Staates, sondern aus der Konkurrenz eines freien Markts. Es mag vielen nicht schmecken, dass die Hauptmotivation für die Firmen ihr eigener Profit ist. Dennoch: Einfach nach dem Staat zu schreien, ist zu simpel. Die Aufgabe der Behörden ist vielmehr sicherzustellen, dass ein Markt überhaupt existiert. Und die Befugnisse, gegen Preisabsprachen und Monopole vorzugehen, sind schon lange vorhanden und könnten viel eher ein Update für die digitale Welt benötigen. Manche argumentieren, dass sich mit den Regulierungen eigentlich ja gar nichts ändern würde. Aber wozu brauchen wir sie dann überhaupt? (fo) / (axk)