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LinuxTag: Das Wetab live und in Farbe

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Helmut Hoffer von Ankershoffen, Sprecher der Geschäftsführung und Firmenmitbegründer der neofonie GmbH aus Berlin und Hamburg zeigte auf dem Berliner LinuxTag das kürzlich in WeTab umbenannte Tablet zum ersten Mal einem größeren Publikum. Bislang hatte neofonie das als Tablet-Computer mit "Linux im Herzen" propagierte Gerät nur einigen Bloggern und Insidern gezeigt. Im Gegensatz zum großen Konkurrenten iPad soll es für Entwickler und Nutzer keine Barrieren wie beispielsweise die Beschränkung auf eine API geben. Auch wird es natürlich einen Karten-Slot geben. Das Betriebssystem wird zusammen mit der Münchener 4titoo AG entwickelt.

Die Hardware-Highlights sind: 1366 × 768 Multitouch Widescreen Display, HDMI-Schnittstelle, 2 × USB, SDHC Kartenleser, Webcam, Intel Prozesser, 32/16 GByte interner Flash. Das 800 Gramm leichte, in Asien gefertigte WeTab unterstützt 3G-Mobilfunk. Derzeit laufen für Distribution und Support Verhandlungen mit einem bisher nicht genannten großen Distributor. Es gibt zwei Versionen: Die reine WLAN-Variante mit 16 GByte für 449 € sowie ein Modell mit 32 GByte RAM, WLAN, 3G-Mobilfunk, GPS, Full HD Video für 539 €. Als Zubehör gibt es eine Docking-Station, da sich drahtlose Tastatur, Maus und Monitor anschließen lassen kann man den Flachmann auch auch als Netbook-Ersatz einsetzen. Größere Stückzahlen sollen im September 2010 verfügbar sein. Die Akkulaufzeit soll bei typischer Nutzung bis zu sechs Stunden betragen.

Das WebTab bietet natürlich echtes Multitasking und ist Multi-User-fähig. Die Navigation ist auf eine Daumen-Navigation rechts und links aufgebaut, da neofonie davon ausgeht, dass das Gerät meistens mit beiden Händen gehalten wird. Im Hauptfenster, dem so genannten Home-Screen, lassen sich beliebige Apps einblenden. Dies verbessert zwar den Überblick, bedeutet aber zwangsweise, dass der Homescreen unruhig wirkt, da jede App anders aussehen kann. Das WeTab bringt ein [–] derzeit noch unmodifiziertes [–] OpenOffice.org mit. Weiter gehören zum Lieferumfang: E-Mail: Thunderbird, der Videoplayer VLC und viele weitere Anwendungen für PDF, E-Books, Adressen etc. Der Browser basiert derzeit auf Firefox, soll aber durch einen Webkit-2.0-Browser ersetzt werden. Auch das WeTab bietet einen App-Store für Apps, die für das WeTab entwickelt wurden und werden. Im Store wird es sowohl kostenlose und auch freie Apps geben, genauso wie kostenpflichtige und proprietäre Apps. Das Einstellen von kostenfreien Apps in den Store ist für den Anbieter der App natürlich ebenfalls kostenfrei.

Das WeTab ist Linux-basiert, aber natürlich nicht vollständig Open Source. Neben den Apps für Music, Bilder, Videos et cetera wird auch ein "normaler" Datei-Browser mitgeliefert, mit denen Benutzer auch direkt auf die Daten (beispielsweise Downloads) zugreifen und beispielsweise Dateien auf und von einen USB-Stick kopieren können. Das WeTab OS besteht im Kern aus einem Linux Kernel (2.6.33). Android 2.0 soll das WeTab ebenso können wie Adobe Air 2.0, Java und Silverlight, Flash 10.1. Es gibt für die Entwicklung Services wie Datenbanken (Postgres), Synchronisation (Datensicherung in die Cloud) etc. Das User-Interface darüber baut auf Qt 4.7 und GTK 2.20 auf. Bis hier hin können alle Anwendungen frei entwickelt werden (Linux Apps, Android Apps …). Wer selbst Widgets programmieren will, muss sich natürlich an das WeTab-API halten. Diese können in Javascript, HTML und CSS entwickelt werden. Widgets können dann natürlich Android, Java, Flash, AIR etc Anwendungen aufrufen. Der Expertenmodus bietet eine Root-Shell und die Möglichkeit, Apps am Store vorbei zu installieren. Informationen für Entwickler finden sich hier. Die Daten-Cloud liegt technisch auf deutschen Servern und ist verschlüsselt. Laut neofonie dient sie lediglich dazu, die Daten zu sichern und zurückspielen zu können. Im Gerätepreis ist ein Volumen von 250 GByte Cloud-Speicher enthalten.

Das Geschäftsmodell baut unter anderem auf gesponsorten Geräten in Zusammenarbeit mit Verlagen und Shops auf. Erster großer Shop-Partner ist Amazon. neofonie bekommt außerdem Anteile aus den Verkäufen von "Paid Apps" und Umsätzen der Shops und will auch selbst als App-Anbieter für "paid Apps" auftreten. (Dr. Christian Böttger) / (avr)