Menü

Microsoft treibt seinen Webstandard für Echtzeitkommunikation voran

Lesezeit: 1 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 177 Beiträge
Von

Eine der Fähigkeiten, die Web-Browser der Zukunft haben sollen, ist, Multimediadaten in Echtzeit auszutauschen. Das W3C arbeitet dazu an dem Standard WebRTC, von dem Chrome und Firefox bereits Teile implementiert haben. Microsoft legte im August 2012 einen Gegenentwurf vor und zeigt jetzt erstmals einen Prototypen für sein Protokoll. Die Software liegt als Plug-in für Chrome unter Mac OS X und den Internet Explorer 10 unter Windows vor.

Für eine Neuauflage der Browser-Kriege des vorigen Jahrhunderts dürften die Meinungsverschiedenheiten zwischen Microsoft und W3C nicht reichen. Denn das große Ziel ist dasselbe: Browser sollen ohne Plug-ins Video- und Audiodaten in Echtzeit empfangen oder senden können. Während sich jedoch das W3C zunächst auf die direkte Brower-zu-Browser-Kommunikation konzentriert, hält der Softwarekonzern weitere Anwendungsfälle für wichtig – etwa den Austausch mit beliebigen Multimedia-fähigen Systemen.

WebRTC setzt bislang auf die aus der Voice-over-IP-Technik (VoiP) bekannten Protokolle SIP (Session Initiation Protocol) und SDP (Session Description Protocol), viele Fragen sind jedoch noch offen. Microsoft kritisiert diesen Ausgangspunkt: Die Technik sei nicht geeignet, mit VoIP-Geräten hinter Firewalls oder über diverse Router hinweg zu funktionieren. Zudem seien die Protokolle nicht zustandslos, Anwendungen müssten selbst SDP analysieren sowie erzeugen, um eine Änderung im Browser-Verhalten zu erreichen.

Microsofts CU-RTC-Web (Customizable, Ubiquitous Real-Time Communication over the Web) setzt hingegen auf RTP (Real-Time Transport Protocol) und RTCP (Real-Time Connection Protocol). Das an HTTP orientierte SIP wiederum bedient sich ebenfalls dieser beiden Protokolle. Bislang lässt sich jedoch mit dem vom W3C vorgesehenen SDP keine Verbindung aufbauen, die mehrere Streams über denselben Kanal überträgt. Eine Erweiterung wird bei der zuständigen IETF zurzeit diskutiert.

CU-RTC-Web, so Microsoft, füge sich besser in die üblichen Web-Protokolle ein, da es zustandslos sei: Kein Kommunikationsteilnehmer müsse sich merken, was der andere getan habe oder gerade erwarte. Außerdem ermögliche es der Anwendung, auf sich ändernde Bandbreiten zu reagieren. So könne sie sich für die bevorzugte Übertragung von Video- oder Audiodaten entscheiden oder schlicht auf eine höhere Übertragungsleistung warten. Mit SIP/SDP ist dies nicht möglich, da SDP alle Parameter für die gesamte Session oder den kompletten Stream festlegt. Anders als SDP will Microsofts Vorschlag viele Details nicht dem Protokoll, sondern den Anwendungen überlassen. (ck)