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Nach 40 Jahren: Einblick in den Source Code von CP/M

Das Computer History Museum hat einige frühe Versionen von CP/M zum Herunterladen freigegeben. Das Betriebssystem konnte vor allem auf Heimrechnern vor dem IBM PC und MS-DOS Erfolge feiern.

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Nach 40 Jahren seit seiner ersten Veröffentlichung können Nutzer Einblick in den Source Code von CP/M erhalten. Das Computer History Museum hat die Versionen 1.1, 1.3, 1.4 und 2.0 online zur Verfügung gestellt. Der Download enthält den Code als ASCII-Daten und eingescannte Printouts. Auch Handbücher und andere Dokumentation stehen zum Herunterladen bereit. CP/M ist nun jedoch nicht Open Source: Das Betriebssystem darf man nicht für kommerzielle Zwecke verwenden, es ist für die Weiterbildung gedacht.

Gary Kildall im Jahr 1977 auf der ersten West Coast Computer Faire in San Francisco

(Bild: Tom Munnecke/Hulton Archive/Getty Images)

CP/M ist das Kind von Gary Kildall und seiner Firma Digital Research, er schrieb das OS in seiner eigenen höheren Programmiersprache PL/M. Dabei hatte Kildall nicht die damals dominierenden Mainframes im Blick, sondern kleine Rechner wie den Intellec-8, mit dem Intel seinen 8008 vorstellte. Da das System selbst winzig blieb und Anwendungen klein blieben, eignete es sich für das schnelle Portieren auf frühe Heimrechner wie den Altair 8800. Ebenfalls Rechner mit eigenen Betriebssystemen wie der Apple II erhielten eine Z80-Karte für das OS, dem auf den Unternehmensbereich ausgelegten C128 lag genauso CP/M bei.

Jede Plattform benötigt Software, CP/M legte den Grundstein für viele erfolgreiche Programme. Statt ihre Applikationen auf spezifische Hardware, zum Beispiel Großrechner von IBM, auslegen zu müssen, konnten Entwickler einfach für CP/M schreiben und waren so auf vielen Systemen vertreten. Wichtige Beispiele sind die Textverarbeitung WordStar, das vor dem Erfolg von WordPerfect den Markt dominierte, und dBase, ein frühes Datenbankmanagementsystem.

CP/M in der Version 1.3

(Bild: Udo Munk)

Der Fall von CP/M hing stark mit dem damals noch jungen Microsoft zusammen: Beim ersten PC wollte IBM ursprünglich ebenfalls das inzwischen weit verbreitete Betriebssystem einsetzen, konnte sich jedoch nicht mit Digital Research einigen. Stattdessen wandte man sich an Redmond, die aus dem zugekauften Q-DOS schnell eine passende Version namens IBM-DOS strickten, später auch als MS-DOS betitelt. Mit dem Erfolg des IBM-PC, vor allem in Unternehmen, verlor CP/M rapide seine Dominanz.

Der Source Code des Computer History Museum deckt die frühen Jahre von CP/M ab, genauer die Anfänge 1975 bis zum Erscheinen der ersten Heimcomputer größerer Hersteller 1979. Um einen Einblick in die frühe Welt der Desktops zu erlangen, muss man jedoch nicht ein teures Museumsstück ausgraben. Neben diversen Emulatoren kann man inzwischen selbst im Browser einen Intel 8080 erkunden. (fo)