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Nokia bringt Patente gegen Videocodec VP8 in Stellung

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Googles häufig als frei angesehener Videocodec VP8/WebM könnte in raueres Fahrwasser geraten: Nokia hat der IETF (Internet Enginieering Task Force) 64 erteilte und 22 beantragte Patente gemeldet, gegen die das Verfahren verstoßen könnte. Lizenzen zu üblicherweise relativ günstigen FRAND-Bedingungen oder gar kostenlos werde es nicht geben, sagte der Smartphone-Hersteller.

Die IETF sieht für ihre als RFC (Request For Comment) veröffentlichten Standards drei Lizenzmodelle vor:

  • Kostenfrei, vernünftig und nicht-diskrimierend,
  • Vernünftig und nicht-diskrimierend, jedoch nicht kostenfrei, und
  • ohne jede ausdrücklich vom Patentinhaber zu gewährende Lizenz.

Zu allen drei Möglichkeiten sagt Nokia kategorisch "nein". Dem Patentbeobachter Florian Müller gegenüber begründete es die Entscheidung: Man glaube, "dass offene und gemeinsame Standardisierungsbemühungen Verbrauchern, Erfindern und der Industrie insgesamt am besten dienen. Wir beobachten jetzt, wie eine Firma versucht, ihre proprietäre Technik durchzudrücken. Sie hat keiner Vorteile gegenüber vorhandenen, breit verwendeten Standards wie H.264 und verletzt Nokias geistiges Eigentum."

Erst Anfang März 2013 hatte Google eine Lizenzvereinbarung mit der MPEG LA geschlossen. Sie erlaubt ihm das Verwenden der Patente von 11 Unternehmen, die VP8 betreffen. Diese Lizenz darf es auch an andere Firmen und Entwickler weiterreichen. Das Abkommen hatte die Vermutung befeuert, damit sei der Patentstreit um VP8 beendet.

Allerdings hatten Mitte 2011 zwölf Unternehmen Patente bei dem Pool-Verwalter angemeldet, gegen die der Videocodec verstoßen könnte – ihre Namen wurden bislang nicht bekanntgegeben. Einer davon dürfte Nokia gewesen sein, das offenbar bei dem Abkommen zwischen MPEG LA und Google fehlt.

VP8 soll nicht nur nach dem Wunsch von Google das ältere H.264 als Browser-Codec für Videos ablösen. Es wird bislang von Opera, Firefox und Chrome unterstützt. Apples Safari und der Internet Explorer von Microsoft bleiben bei H.264. Es ist für das Streamen kostenfreier Videoinhalte bis Ende 2015 gratis nutzbar. Die Mozilla-Foundation hatte die erwarteten Lizenzgebühren von rund fünf Millionen US-Dollar jährlich zwar aufbringen können. Dass sie die erworbenen Rechte nicht an Partner wie Linux-Distributionen hätte weitergeben dürfen, hatte zum Umstieg der Firefox-Entwickler auf VP8/WebM geführt. (ck)

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