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Nutanix .NEXT: Kostenkontrolle für die hybride Cloud

Auf seiner vierten US-amerikanischen Hausmesse .NEXT in New Orleans konnte Nutanix mit 5000 Teilnehmern einen neuen Besucherrekord verzeichnen. Der Hersteller verlässt den reinen Infrastrukturmarkt und bietet ab sofort einen Plattformdienst.

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Nachdem das US-Analystenhaus Gartner im Februar Nutanix als führenden Anbieter hyperkonvergenter Infrastruktursysteme (HCI) platziert hatte, sieht die Nutanix-Führung bereits neue Herausforderungen am IT-Horizont: Der Hersteller will den Cloud-Wildwuchs hinsichtlich Hybrid Cloud in den Griff bekommen.

Damit steht das Unternehmen nicht alleine da: Microsoft erweitert seine Azure Cloud um den Azure Stack für die lokalen Installationen. Nutanix kommt allerdings von der anderen Seite. Laut dem Management rund um Sudheesh Nair und Billy Ginn gilt für Nutanix die Herausforderung Private Cloud als gelöst. Hyperkonvergenten Speicher hat der Hersteller erfunden und viele Nachahmer gefunden. 2015 kam ein eigener Hypervisor auf KVM-Basis hinzu (AHV – Acropolis Hypervisor), der den Nutanix-Kunden mehr Wahlfreiheit geben und gleichzeitig dem Virtualisierungsplatzhirsch VMware Marktanteile abjagen sollte.

Nun vervollständigt der Hersteller mit Netzwerkvirtualisierung und Firewallschutz für die virtuellen Maschinen seinen Infrastructure-as-a-Service-Stack – eine ähnliche Herangehensweise wie VMwares NSX, allerdings mit reduziertem Funktionsumfang, dafür jedoch einer einfacheren Bedienung. Diese Funktion hat Nutanix „Flow“ getauft. Kernfunktionen sind die Überwachung der Netzwerkperformance und Firewallfunktionen für in AHV betriebenen virtuellen Maschinen. Dafür hat der Hersteller den in AHV verwendeten Open vSwitch (OVS) erweitert. Nutanix Flow ist sofort verfügbar, später im Jahr sollen weitere Funktionen im Bereich Netzwerkanalyse und -visualisierung hinzukommen auf Basis der im März getätigten Akquisition des Startups „Netsil“ (Listen andersherum geschrieben).

Auf Basis der Netsil-Akquisition will Nutanix die Fähigkeiten von Flow um Applikations-Discovery und Netzwerkverkehrvisualisierung erweitern.

(Bild: Nutanix)

Auf die Integration eines Overlay-Protokolls wie VXLAN oder GeNeVe hat Nutanix bei Flow zunächst verzichtet. Dafür bindet es über APIs die Switche einiger Hersteller wie Arista, Broadcom Brocade, Mellanox oder Lenovo ein. Switch-Marktführer Cisco, der mit seiner eigenen HCI-Umgebung Hyperflex mit Nutanix konkurriert, ist nicht bei den Integrationspartnern dabei.

Mit der Einführung von Flow sieht Nutanix die IaaS-Funktionen seiner Private-Cloud-Plattform abgerundet. Die Herausforderungen lägen nun darin, sinnvolle PaaS- und SaaS-Dienste hinzuzufügen, um Nutanix in der Public Cloud zu stärken und der führende Hybrid-Cloud-Anbieter zu werden. Dafür führt der Hersteller mit Beam und Era zwei neue Dienste ein.

Dass die Nutzung der Public Cloud schnell zur Kostenfalle werden kann, ist inzwischen bekannt. Mehrere Hersteller widmen sich daher der Aufgabe, ein höheres Maß an Transparenz und Kontrolle in die Nutzung der Public Cloud zu bringen. Beam basiert teilweise auf der kürzlich erfolgten Übernahme des Startups Minjar mit seinem Dienst Botmetric, der es AWS- und Azure-Kunden erlaubte, ihre Ausgaben in den Public Cloud Diensten zu steuern. Beam ist Nutanix' erstes SaaS Angebot und erlaubt eine intuitive Visualisierung von Ausgaben in der Cloud sowie ihre Kontrolle. So lassen sich etwa wenig genutzte Cloud-Instanzen identifizieren. Beam ist ebenfalls sofort verfügbar.

Mit dem PaaS-Angebot Era, das die Bereitstellung von Datenbanken vereinfachen soll, betritt Nutanix ebenfalls Neuland – der erste PaaS-Dienst. Era nutzt zum einen Nutanix-eigene Snapshot-Funktionen, um die Verwaltung von Datenbanken und deren Kopien zu vereinfachen. Zunächst implementiert der Hersteller dabei Oracle und Postgres-Datenbanken. MySQL und Microsofts SQL Server sollen in Zukunft folgen. Basierend auf Nutzer-Angaben und in Era fest verdrahteten Best-Practice-Empfehlungen erfolgt das Setup der Datenbank vollautomatisiert. Nutanix erwartet sich starkes Interesse an Era vor allem aus Entwickler- und DevOps-Kreisen. Derzeit befindet es sich in einer Closed-Beta-Phase, die allgemeine Verfügbarkeit ist für das zweite Halbjahr 2018 geplant.

Neben Nutanix waren zahlreiche Aussteller auf der Konferenz vertreten. Gegenüber vorherigen .NEXT Konferenzen ist der Ausstellungsbereich merklich gewachsen. Serverhersteller Supermicro, Lieferant der Nutanix-eigenen Appliances, war anwesend, zudem auch Dell, IBM und Lenovo, die ihre Nutanix-kompatiblen Serversysteme dem Publikum präsentiert haben.

Auf Seiten der Softwareanbieter waren unter anderem Veeam und Zerto vertreten, die Nutanix mit Backup und Recovery sowie Replikation abrunden. Virenschutzhersteller Bitdefender präsentierte die Integration seiner Schutzumgebung mit Nutanix' hauseigenem Hypervisor AHV. (Jens-Henrik Söldner, Torsten Volk) / (jab)