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Online-Archiv für bedrohte Sprachen öffnet

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Nach jahrelanger Vorarbeit unter anderem im DoBeS-Projekt (Dokumentation bedrohter Sprachen) hat das Max-Planck-Institut (MPI) für Psycholinguistik jetzt ein Online-Archiv in Betrieb genommen. Die Sammlung namens The Language Archive umfasst 80 Terabyte Daten aus 200 Sprachen, Unterstützer sind neben dem MPI die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften und die Koninklijke Nederlandse Akademie van Wetenschappen.

Noch gibt es weltweit rund 6500 Sprachen. Viele davon werden jedoch nach Auffassung der Wissenschaftler bis Ende dieses Jahrhunderts verschwunden sein. Insbesondere "kleine" Sprachen mit weniger als 100.000 Sprechern seien gefährdet: Sie machen zwar mindestens 80 Prozent der weltweit gesprochenen Idiome aus, ihre Sprecher haben jedoch nur einen Anteil von 0,2 Prozent an der Weltbevölkerung.

Verhindern lasse sich das Aussterben von Sprachen ebenso wenig wie ihr Bedeutungsverlust. "Aber wir können zumindest versuchen, den linguistischen und kulturellen Reichtum zu bewahren und seine systematische Erforschung zu ermöglichen", schreiben die Initiatoren.

Bild- und Tonaufnahmen des in Papua-Neuguinea gesprochenen Saliba-Logea.

(Bild: Aufnahmen: Anna Margetts)

Nicht alle Daten sind jedoch für jedermann zugänglich. Das habe, erklärte ein MPI-Mitarbeiter auf Anfrage, nichts mit dem Urheberrecht zu tun, sondern mit Rücksicht auf Personen, die auf den Aufnahmen zu erkennen sind. Denn in manchen Sprachgruppen gebe es Vorbehalte gegen solche Veröffentlichungen, die zu respektieren seien. Diese Daten dürfe nur sehen, wer einen Verhaltenskodex akzeptiere. In einigen Fällen sei zudem die Zustimmung des Sammlers nötig.

Frei verfügbar sind unter anderem von Anna Margetts aufgenommene Beispiele des in Papua-Neuguinea gesprochenen Saliba-Logea und der in brasilianischen Sprache Kuikuru (aufgenommen von Bruna Franchetto). (ck)