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Open Science: Forschungsdaten frei zugänglich

Magdeburger Hirnforscher veröffentlichen den bislang umfangreichsten Rohdatensatz über die Verarbeitung von Sprache im Gehirn.

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Im Gegensatz zu dem verbreiteten Konkurrenzgebaren in der Forschung, Datenmaterial unter Verschluss zu halten, beschreiten die Forscher in Magdeburg einen anderen Weg. Der Psychologe Professor Michael Hanke von der Arbeitsgruppe Psychoinformatik an der Otto-von-Guericke-Universität, Dr. Jörg Stadler vom Leibniz Institut für Neurobiologie und Kollegen stellen ihre Rohdaten frei zur Verfügung. Im elektronischen Fachmagazin Scientific Data der Nature Publishing Group hat das Team sie am 27. Mai publiziert.

Der 7-Tesla Kernspintomograph am Leibniz Institut für Neurobiologie, an dem die Forscher ihre Daten erhoben haben.

(Bild: idw)

Bei dem Projekt geht es um die Verarbeitung akustischer Reize. In der Studie haben die Wissenschaftler den Versuchspersonen eine Hörfilmversion des Klassikers Forrest Gump vorgeführt, während die Forscher mit Hilfe der funktionellen Magnetresonanztomographie (fMRT) die Hirnaktivitäten der Testkandidaten bei der Verarbeitung von Sprache, Musik, Emotionen, Erinnerungen und bildlicher Vorstellungen erfasst haben.

Der Datensatz spiegele damit nicht nur eine isolierte Aktivität des Gehirns wider, heißt es in der Mitteilung der Projektkoordination, sondern reflektiere die tatsächliche Komplexität des Informationsstroms bei alltäglichen Hörerfahrungen. Neben den gesamten fMRT-Daten stellen die Wissenschaftler umfassende anatomische Beschreibungen der Gehirne aller Versuchsteilnehmer zur Verfügung, ebenso wie Messwerte über Atmung und Herzschlag. "Sie zeigen, an welchen Stellen des Films der Zuhörer aufgeregter oder entspannter war" so die Forscher weiter.

Um solche interdisziplinäre Projekte zu fördern, hat das Magdeburger Center for Behavioral Brain Sciences ein Preisgeld von 5000 Euro für die beste Nutzung des veröffentlichten Datensatzes ausgelobt.

Es ist Teil der deutsch-US-amerikanische Forschungsvorhabens "Entwicklung allgemeingültiger, hoch-dimensionaler Modelle neuronaler Repräsentationsräume", an dem Wissenschaftler der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, dem Dartmouth College (USA) und der Princeton University (USA) beteiligt sind. Dies wiederum gehört zum nationalen Bernstein Network. Seit 2004 fördert das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit dieser Initiative die neue Forschungsdisziplin Computational Neuroscience mit über 180 Millionen Euro. Das Netzwerk ist nach dem deutschen Physiologen Julius Bernstein (1839–1917) benannt. (rh)