OpenVMS vielleicht bald auf x86-Systemen

Mit der Weitergabe der OpenVMS-Quellen an die eigens dafür gegründete Firma VMS Software Inc. gibt HP dem mit Compaq/DEC übernommenen Betriebssystem und ungeliebten Stiefkind OpenVMS eine Zukunft auf neuer Hardware.

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Von
  • Susanne Nolte

Entgegen der Abkündigung vom Juni 2013 verhilft Hewlett-Packard dem Betriebssystem und ungeliebten Stiefkind OpenVMS zu einer Zukunft auf neuen Plattformen. Per Lizenzvertrag gibt HP die OpenVMS-Quellen an VMS Software Inc. (VSI) weiter.

Die neue Roadmap von VMS Softwarwe sieht nicht nur die Weiterführung von OpenVMS auf den bisherigen Plattformen vor, sondern auch die Portierung auf x86-Systeme.

(Bild: VMS Software Inc.)

Im ersten Schritt will VSI die Anhebung auf den bereits im Jahr 2012 vorgestellten Acht-Kern-Itanium der Serie 9500 (Codemane Poulsen) durchführen, die HP im letzten Jahr von der Roadmap gestrichen hatte. Als nächstes soll die Unterstützung für den kommenden Itanium "Kittson" folgen. Zugleich will der Lizenznehmer eine Portierung auf die x86-Architektur vornehmen.

Geplant ist ebenfalls, neue OpenVMS-Versionen zu entwickeln. Die Entwicklungstools sollen modernisiert und die Betriebssystemfähigkeiten – etwa die Zahl der unterstützten Prozessorkerne – ausgebaut werden. Zugleich sollen die Stärken, die VMS Software vor allem in der Betriebssystem- und Ausfallsicherheit sieht, erhalten bleiben.

Laut eigener Aussagen hat VSI bereits ein Team aus den alten OpenVMS-Entwicklern zusammengestellt, von denen einige noch aus dem Kernteam stammen, die das Unix-artige Betriebssystem in den 70er Jahren bei Digital Equipment Corp. entwickelten. Nachdem sich Compaq an der DEC-Übernahme übernommen hatte, landete der ganze DEC-Nachlass bei HP, die es eilig hatten, die nach dem Tod der VAX letzte Prozessor-Plattform des OpenVMS, den Alpha, ans Ende zu bringen. Dasselbe Schicksal erlitt das zweite auf Alpha-Systemen laufene Betriebssystem, das frühe 64-Bit-Unix Tru64. OpenVMS entging ihm bis zum letzten Jahr durch seine Portierung auf die Itanium-Systeme, auf die HP die verbliebenen Digital-Kunden mit seiner Friss-oder-stirb-Strategie gezogen hat.

HP sieht in dieser neuen Entscheidung allerdings keine Kehrtwende. Vielmehr wolle man den Kunden das geben, was sie verlangen, so etwa Randy Meyer, Vice President und General Manager of Mission Critical Systems bei HP. Dafür, dass HP bei seinen vorherigen Entscheidungen auf die Wünsche der Kunden, die bei OpenVMS bleiben wollten, wenig Rücksicht genommen hatte, ist die Firma in den letzten Jahren viel kritisiert worden.

Momentan hat HP etwa 2500 OpenVMS-Kunden mit Support-Verträgen. Weitere OpenVMS-Nutzer lassen sich von unabhängigen Firmen wie der Parsec Group betreuen, die allein weitere 350 Kunden hat. OpenVMS-Installationen finden sich in Atomkraftwerken, bei der U.S. Navy, im Transport- und Finanzwesen sowie in Prozesssteuerungsanlagen in allen Industriezweigen.

Es wundert darum nicht, dass VMS Software von einer "strong customer base" spricht. VSI wurde eigens zur Zukunftssicherung von OpenVMS gegründet und hatte HP vor ein paar Monaten ein entsprechendes Angebot unterbreitet. Gegündet wurde VSI von den Investoren der Firma Nemonix Engineering, die sich seit langem dem Support und der Pflege von OpenVMS-Systemen verschreibt. (sun)