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Oracle OpenWorld: Larry Ellisons Annäherung an Amazon

Oracles digitaler Assistent kann auch mit Amazons Alexa kommunizieren. Deswegen verzichtete der Oracle-Gründer dieses Mal auf den Kampfmodus.

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Oracle OpenWorld: Larry Ellisons Annäherung an Amazon

(Bild: Harald Weiss)

Oracles Gründer und derzeitiger Chef-Technologe, Larry Ellison, hat seine zweite Keynote auf der OpenWorld-Veranstaltung dazu genutzt, um sich nach seinen Attacken gegen Amazons AWS-Plattform wieder etwas mit dem großen Konkurrenten anzufreunden. Bei einer seiner vielen Vorführungen auf der Bühne ging es um die Kommunikation mit Oracles neuen digitalen Assistenten. Diese fand in natürlicher Sprache statt und das Interface dafür war ausgerechnet Alexa. Und so begann jeder seiner Dialoge mit der Standardfrageform: "Alexa, frage bitte den Oracle-Assistenten ...". Das ging ihm so flüssig über die Lippen, dass man meinen konnte, Alexa sei ein Oracle-Produkt.

Mit der Nutzung als User-Interface für Oracles Fusion ERP und Fusion HCM hat Amazons Alexa eine weitere wichtige Hürde auf dem Weg zu einer allgemeinen Business-Nutzung genommen. Ellison meinte sogar, dass Amazons CEO Jeff Bezos die Demo bestimmt übers Internet verfolgen werde. Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass Oracle das Sprach-Interface mit dem digitalen Assistenten auch mittels Siri anbietet.

Insgesamt hat Ellison bei seinem zweiten und letzten Auftritt auf der diesjährigen Oracle OpenWorld eine Art Zusammenfassung der Oracle-News der letzten Tage und Wochen gegeben. Schwerpunkt waren dabei die KI-Features der Fusion-Suite, die es im Bereich Machine Learning gab. Hierbei handelt es sich um eine standardmäßig verfügbare RPA-Funktionen (Robotic Process Automation), die bei Oracle aber "Intelligent Process Automation" heißt. "Machine Learning erlaubt das automatische Erstellen von Geschäftsabschlüssen, dem Auslösen von Bestellvorgängen oder der automatischen Bezahlung von Lieferantenrechnungen – und das alles ohne menschliche Fehler", schwärmte er über die neuen Möglichkeiten. Für Ellison sind diese KI-Fähigkeiten so bedeutend, dass er meint, dass allein deshalb viele SAP-Anwender auf Oracle wechseln werden. "Kein ERP-System ist so leistungsstark, wie unsere Fusion-Suite", so Ellison weiter.

Diese Form der direkten Integration neuer Technologien in bestimmte Anwendungen ist bei Oracle die neue Marschrichtung. So wurde jetzt die bereits im Frühjahr angekündigte Blockchain auf den optimalen Einsatz im Supply Chain Management (SCM) angepasst. Zu dieser neuen Blockchain-Application-Cloud gehören viele Funktionen, die in der Logistik von großer Bedeutung sind, wie Sendungsverfolgung, Los- und Sample-Management, Temperaturüberwachung sowie Nutzungsdaten für Garantie und Haftung.

Zu den weiteren Ankündigungen gehörte auch eine vereinfachte Spesenabrechnung. Dabei macht man mit den Smartphone oder Tablet ein Foto von einem Spesenbeleg und das System erkennt alle relevanten Informationen, wie Datum, Preis und Ausgabegrund. Diese Daten werden dann automatisch mit den geltenden Spesenregelungen abgeglichen. Ellison machte in seiner Demo ein Bild von einer Restaurantabrechnung über 418 Dollar für zwei Personen. Das System monierte prompt den zu hohen Betrag von 209 Dollar pro Person sowie das zu hohe Trinkgeld von 31 Prozent.

Letztlich wird Mustererkennung immer häufiger bei der Analyse von Geschäftsabläufen oder der Betrugserkennung genutzt. Hierzu lassen sich beispielsweise aus den vorhandenen Datenbergen fiktive Bilder generieren, deren statistische Konsistenz eine Art "Normalzustand" widerspiegeln. Anomalien erscheinen darin dann als Abweichungen, die mit Bilderkennungsprogrammen identifiziert werden können. (Harald Weiss) / (ane)