Spam wird fetter, aber schneller

Unerwünschte E-Mails nehmen derzeit rasch an Umfang zu. Zugleich können Spammer sie offenbar innerhalb immer kürzerer Zeiträume versenden.

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Von
  • Bert Ungerer

Der Werbemüll hat eine betrübliche Marke erreicht: Die durchschnittliche Größe von Spam-Mails im Eingang des iX-Spamfilters beträgt mittlerweile gut 10 kByte inklusive Kopfzeilen (ohne Wurm- und Trojaner-Mails). Noch vor vier Monaten, Anfang März, hatte sie bei lediglich 8 kByte gelegen. Im selben Zeitraum wuchs der Anteil der über 20 kByte großen Müll-Mails von 10 auf 15 Prozent.

Ein Hauptgrund dafür ist der wachsende Anteil von Bilder-Spam. Spammer versuchen aber nicht nur, Kunden durch Illustrationen etwa von Pornodarstellerinnen oder Pillenpackungen zu gewinnen. Seit etwa einem halben Jahr experimentieren einige Versender mehr oder weniger erfolgreich damit, Texte in Bildern zu verstecken, damit eine automatisierte Textanalyse des Mail-Inhalts in Spamfiltern fehlschlägt. Zu dieser Kategorie zählt insbesondere Spam, der ohne Links auskommt und etwa Spekulanten zu Aktieninvestments verleiten statt Potenzmittel-Käufer auf Pharma-Webseiten locken soll. Ohne URL und einen werbenden Text fehlen der E-Mail wichtige Filterkriterien und für die Übermittlung eines Nasdaq-Aktienkürzels nebst Jubelbericht über dessen Zukunftsaussichten reicht das Bildchen allemal.

An einer weiteren Schraube drehen Spammer derzeit heftig: Allen Virenfiltern und anderen Schutzmaßnahmen zum Trotz stehen ihnen offenbar immer mehr verseuchte PCs und neuerdings auch viele ausgehebelte Webhosting-Accounts für den Spamversand über Hintertüren zur Verfügung. So können sie immer mehr Volumen innerhalb immer kürzerer Zeitintervalle absetzen. Immer mal wieder sind blitzartige Spam-Angriffe zu verzeichnen, als ob die Absender ausprobieren wollen, wieviel Last sie den Mailservern der Empfänger maximal aufbürden können. Die Idealvorstellung der Spammer besteht darin, eine IP-Adresse nur ein einziges Mal pro Empfänger nutzen zu müssen, denn damit laufen viele Gegenmaßnahmen ins Leere. Sie scheint derzeit leider realistischer als je zuvor. (un)