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Studie: US-Amerikaner ringen mit Smartphone-Etikette

In einer Studie hat das Pew Research Center das Verhalten von US-Amerikanern mit Smartphones in Gesellschaft und der Öffentlichkeit untersucht. Obwohl viele die ständige Präsenz des Smartphones als störend empfinden, greift die Mehrheit trotzdem zu ihnen.

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Auch vor dem Aufkommen von Smartphones sorgten Telefone in Gesellschaft für Zwist, zum Beispiel 1940 zwischen Rosalind Russel und Cary Grant in His Girl Friday.

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Mobile Endgeräte haben den Alltag der westlichen Welt erobert, nun geraten die Grenzen herkömmlicher Umgangsformen beim Smartphone an ihre Grenzen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Pew Research Center, die das Verhalten und die erwarteten Manieren von US-Amerikanern beim Nutzen desständigen digitalen Begleiters untersucht.

So besitzen 92 Prozent der Erwachsenen ein Handy und 90 Prozent dieser meinen, das Gerät regelmäßig bei sich zu haben. 31 Prozent schalten es nie, 45 Prozent nur selten aus. Die Forscher meinen, dass die ständige Präsenz der Mobiltelefone soziale Normen des akzeptablen Verwendens der Geräte zerstört habe. Immerhin 82 Prozent fühlen, dass Gespräche unter dem Griff zum Smartphone leiden. 33 Prozent geben an, dass sich so jedoch auch Vorteile für die Konversation ergeben können.

Studie zur Smartphone-Etikette in den USA (4 Bilder)

In Begleitung: Unterschiedliche Funktionen des Smartphones erfreuen sich wechselhafter Beliebtheit, während der Nutzer in Gesellschaft ist. (Bild: Pew Research Center)

Dass bei Zusammenkünften die ständige Gegenwart von Handys die Gruppe stören, empfinden Frauen stärker als Männer – 41 Prozent beziehungsweise 32 Prozent stimmen dem zu. Wenig überraschend ergibt sich ebenfalls eine Kluft beim Alter der Befragten, junge Teilnehmer der Studie verspüren Smartphone-Nutzung in Gesellschaft mit 29 Prozent seltener als belästigend, denn ältere Befragte über 50 mit 45 Prozent. Der Blick auf das Alter Ego zeigt, dass 25 Prozent sich in solchen Situationen weniger auf ihre Mitmenschen konzentrieren.

In der Studie schlüsseln die Forscher den Einsatz des Smartphones nach unterschiedlichen Kategorien auf – zum Beispiel E-Mails lesen, das am beliebtesten ist, über das Annehmen von Anrufen oder dem Stöbern im Internet, das auf dem letzten Platz landet. 89 Prozent geben an, dass sie zumindest einer der Aktivitäten in letzter Zeit in Gesellschaft nachgingen.

Insgesamt verfolgt eine Mehrheit also ein Verhalten, dass sie selbst als störend empfinden. Entsprechend stellt sich die Frage nach der Motivation – und bloß 30 Prozent wollen sich so von der Gruppe gedanklich entfernen, zum Beispiel weil sie sich langweilen oder ihnen das Thema der Konversation nicht behagt. Ganze 78 Prozent wollen jedoch die Zusammenkunft aufwerten, wie durch das Aufnehmen von Fotos und Videos oder dem Teilen von Aktivitäten.

In der Öffentlichkeit zeigt sich laut der Studie ein ähnliches Verhalten. Eine große Mehrheit von 77 Prozent empfindet das Nutzen des Handys auf der Straße als in Ordnung, 75 Prozent geben dasselbe für den Nahverkehr an. Vor allem das Navigieren, Koordinieren eines Treffens und der Austausch mit Familie und Freunden stehen im Vordergrund. Nur 23 Prozent meinen, dass sie ihr Smartphone einsetzen, um in der Öffentlichkeit anderen Menschen aus dem Weg zu gehen.

Grundlage der repräsentativen Studie sind 3217 Erwachsene, 3042 von ihnen besitzen ein Handy. Details stellen die Forscher in einem Artikel vor. Auch in Deutschland gehen viele in Gesellschaft dem Digitalen auf den Grund. In anderen Ländern hat sich hingegen eine rigorosere Etikette über den Umgang mit Smartphones entwickelt, so ist das Telefonieren im japanischen öffentlichen Nahverkehr ungern gesehen und Fahrgäste erhalten Nachrichten mit entsprechenden Hinweisen auf einen "Manner Mode" (Höflichkeitsmodus). (fo)