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Update iX Magazin

Telekom schlägt nationales E-Mail-Netz vor

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Der ehemalige Staatsbetrieb stellt sich in Sachen Datenschutz öffentlich deutlich anders auf als die Bundesregierung. So hat die Telekom laut einem Bericht der Wirtschaftswoche auf einem Geheimtreffen im Wirtschaftsministerium ein nationales E-Mail-Netz vorgeschlagen. Damit will der Konzern Spionen und Hackern aus dem Ausland das Leben schwerer machen.

Der Vorschlag sieht vor, E-Mail-Verkehr zwischen Teilnehmern in Deutschland nicht mehr über internationale Knotenpunkte zu lenken, wie Datenschutzvorstand Thomas Kremer erläuterte. "Beim Transport zwischen Sendern und Empfängern in Deutschland wollen wir garantieren, dass kein Byte Deutschland verlässt und auch nicht vorübergehend die Grenze überschreitet." Erforderlich ist dazu, dass die Mitbewerber der Telekom bei dem rein innerdeutschen Datenaustausch mitziehen. Dann könnten die in Verruf geratenen Knotenpunkte zum Beispiel in Großbritannien umgangen werden.

Derzeit nimmt die Telekom eine Ausnahmestellung beim Austausch von Internet-Daten, dem sogenannten Peering, ein: Während die große Mehrheit der Provider seine Daten über den Frankfurter Knotenpunkt DE-CIX leitet, hat die Telekom den als Gemeinschaftsprojekt deutscher Provider entstandenen Internet-Knoten nie genutzt.

[Update 14.10.13: Die Telekom ist seit drei Jahren mit einem 1-GE-Port für IPv6 am DE-CIX angeschlossen, "nie genutzt" ist also nicht mehr korrekt. Die Hauptverkehrslast wickelt der Konzern aber nach wie vor ohne DE-CIX-Peering ab. ]

Kremer schwebt auch vor, das Projekt auf die Schengen-Länder auszudehnen, die Staaten also, die untereinander auf Ausweiskontrollen bei Grenzübertritten verzichten. Großbritannien, dessen Nachrichtendienste am weltweiten Abhörsystem im großen Stil beteiligt sind, gehört nicht dazu.

Die Telekom und United Internet mit den Marken GMX und Web.de hatten im August bereits die Initiative "E-Mail made in Germany" gegründet, der sich etwas später auch Freenet anschloss. Die Mitglieder verpflichten sich, den Mail-Verkehr der Nutzer mit dem SSL-Protokoll zu verschlüsseln und die Daten in sicheren Rechenzentren innerhalb Deutschlands zu speichern. Diese Initiative war allerdins von Netzaktivisten als billige PR-Maßnahme kritiisiert worden, da es um eine reine Transportverschlüsselung geht und obendrein beim Provider die Mail ent- und wieder verschlüsselt wird, um die Mails auf Malware scannen zu können.


Kritische Stimmen gibt es auch zum aktuellen Telekom-Vorschlag. So bezweifelt Thomas Bösel, Datenschutzbeauftragter bei der Kölner QSC AG, ob sich überhaupt nationaler und internationaler E-Mail-Verkehr eindeutig trennen lasse. Vodafone und Telefónica prüfen laut Wirtschaftswoche derzeit "sehr genau", ob sie beim "National Routing" mitmachen wollen. Kremer ist aber optimistisch, Wenn die Provider nicht freiwillig mitmachen, müsse man halt über eine gesetzliche Regelung nachdenken.

(Mit Material von dpa) / (js)