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Thor: Cisco kündigt patentfreien Video-Codec als Open-Source an

Weil die Lizenzgebühren für den Video-Codec H.264 und seinen Nachfolger H.265 zu hoch seien, will der Netzwerkausrüster eine freie und nicht mit Patenten kollidierende Alternative unter dem Namen Thor entwickeln.

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Video-Vorspann

H.264 ist ein weitverbreiteter Algorithmus zum (Ent-)Komprimieren von Video-Daten, H.265 sein Nachfolger. Zahlreiche Patente schützen beide Verfahren, sodass Lizenzgebühren fällig werden, wenn ein Produkt sie verwenden will. Das missfällt Cisco schon länger, weshalb die Firma ihre H.264-Implementierung unter bestimmten Voraussetzungen anderen kostenfrei zur Verfügung stellt und die Lizenzgebühren für den Patentpool MPEG LA übernimmt.

Bei H.265 ist das nicht so einfach, wie Ciscos Vize-Präsident Jonathan Rosenberg in einem Blog-Beitrag erläutert. Denn zum einen gebe es bei dem neuen Algorithmus neben der MPEG LA einen weiteren Patentpool, der Lizenzgebühren verlangt. Zum anderen kosten die Lizenzen bei H.265 bis zu sechzehnmal mehr als beim Vorgänger, bei dem sie zudem nach oben begrenzt sind. Eine solche Obergrenze fehlt bei H.265.

Deshalb hat Cisco jetzt unter dem Namen Thor einen quelloffenen und patentfreien Video-Codec angekündigt und bei der Internet Engineering Taks Force (IETF) eingereicht. Die Normungsorganisation arbeitet in ihrer NetVC-Gruppe an einem neuen lizenzfreien Video-Codec.

Die Idee eines patentfreien Video-Codecs kam Cisco keineswegs als Erstem. Google hatte bereits mit seinem 2010 veröffentlichten VP8/WebM ähnliches versucht. 2013 knickte der Google jedoch ein und erwarb 2013 eine Lizenz von der MPEG LA. Mit Sicherheit dürfte niemand angesichts der Vielzahl von Patenten sagen können, ob ein Codec patentfrei ist – erst eine Klage ist ein Anhaltspunkt für eine mögliche Patentverletzung. (Christian Kirsch) / (ck)