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VMworld 2016 Europe: VMwares Zukunft soll hybrid sein

Virtualisierungsspezialist VMware reagiert auf den Erfolg der großen Public-Cloud-Anbieter und geht strategische Allianzen ein. Die eigenen Produkte baut er zu Fundamenten und Werkzeugen hybrider Infrastrukturen aus.

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VMworld 2016: VMware plant die Zukunft
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VMware: vSphere 6 Essentials Kit, 3 Hosts, ESD (multilingual) (PC) (VS6-ESSL-KIT-C) ab € 520,80

Die wichtigste strategische Neuerung präsentierte Virtualisierungspezialist VMware bereits im Vorfeld seiner europäischen Hausmesse: die Partnerschaft mit Amazon ("VMware Cloud on AWS"). Obwohl der Konzern sich als Vordenker beim Thema Software Defined Datacenter (SDDC) begreift und bei Private-Cloud-Produkten einen bedeutenden Marktanteil besitzt, gelingt VMware in der Public Cloud seit Jahren kaum etwas – dem Eindruck wollte man auf der jüngst zu Ende gegangenen Veranstaltung in Barcelona etwas entgegensetzen.

VMware hat offenbar erkannt, dass die verschwindend geringere Bedeutung des eigenen Public-Cloud-Angebots vCloud Air angesichts der Marktmacht von Amazon, Azure und Google kaum entscheidend zu steigern sein wird. Wichtiger scheint es, dem Kunden die Wahl zu lassen, wo er seiner Workloads ausführt: Künftig muss es den Nutzer nicht mehr interessieren, welcher Hypervisor und welche Infrastruktur zum Einsatz kommen. Stattdessen sollen ihm einheitliche Automatisierungs-, Orchestrierungs- und Managementwerkzeuge zur Verfügung stehen (in VMwares Verständnis natürlich NSX und die vRealize-Suite), die die Grenzen der unterliegenden Cloud-Infrastrukturen auflösen.

Ob daheim im RZ oder draußen bei einem der großen Cloud-Anbieter: VMware sieht die Zukunft in einer hybriden Cloud - auf Basis der eigenen Software.

(Bild: Thomas Drilling)

Offen ist allerdings, wie das Unternehmen sein Geschäftsmodell positionieren will, ohne bestehende Produkte und Services wie vCloud Air in einem schlechten Licht erscheinen zu lassen, und auch ohne die eigenen Partner zu verprellen. VMwares SDDC-Stack aus vSphere, VSAN und NSX lässt sich in Zukunft wahlweise im eigenen Rechenzentrum, in vCloud Air, in IBMs Softlayer-Rechenzentren oder auf in AWS-Rechenzentren gehosteten VMware-Umgebungen betreiben.

Basis dafür ist das Paket "VMware Cloud Foundation", für Betrieb und Lifecycle-Automation steht der VMware SDDC Manager bereit. Workloads und Infrastrukturen sollen sich bedarfsgerecht zwischen den Standorten verlagern lassen. Details sollen nächstes Jahr bekannt gegeben werden. Das Angebot wird wohl erst zur VMworld 2017 zur Verfügung stehen.

In Barcelona konnte man zudem einen ersten Blick auf vSphere 6.5, VSAN 6.5 und vRealize Automation 7.2 werfen. Demonstriert wurde etwa die wechselseite Integration von AWS Management Console und vSphere Web Client. Ausgewählte Besucher durften einen Blick auf das neu gestaltete GUI des Web Clients werfen, der mit der kommenden Version 6.5 von vSphere ausgeliefert werden soll. Unter den zahlreichen Neuerungen sind die Container-Unterstützung, der HTML5-basierte vSphere-Client und das VM-Encryption-Feature erwähnenswert.

Die teils schwerwiegenden Bugs der Version 6.0 – etwa mehrfach Probleme mit der Backup-Technik Changed Block Tracking (CBT) – sind jedoch nicht vergessen. Kunden dürften daher ungeachtet aller Neuerungen vor allem auf Verbesserungen bei der Codequalität Wert legen.

Die Photon-Plattform (eine Cloud-Native-Infrastruktur) soll künftig auch Kubernetes integrieren.

(Bild: VMware)

Die 2015 vorgestellte Photon-Plattform, eine Cloud-Native-Infrastruktur für Container-Anwendungen, hat VMware ebenfalls überarbeitet. Künftige sollen Kubernetes-as-a-Service, VSAN mit Block-Storage-Services und Netzwerk-Dienste mit NSX verfügbar sein. Der Support beschränkt sich derzeit auf Switching- und Routing-Services, künftig soll aber die ganze Bandbreite logischer Netzfunktionen und -Dienste bereitstehen. Die Photon-Plattform soll im vierten Quartal 2016 verfügbar sein.

Den virtuellen Unternehmens-Desktop Workspace ONE (WSONE) erweitert der Hersteller um eine Essentials-Variante. Eine neue Version bringt Sicherheitsfunktionen etwa zum Vermeiden von Datenverlust (Data Loss Prevention) für Office 365 mit und soll Single-Sign-On (SSO) für sämtliche Enterprise-Internetanwendungen bereitstellen. Außerdem soll in Zusammenarbeit mit Microsoft Skype for Business in VMware Horizon integriert werden. (Jens Söldner, Thomas Drilling) / (tiw)