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Wikipedia wechselt von MySQL auf MariaDB

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Vor wenigen Tagen hat die Wikipedia-Foundation ihre englischen und deutschen Ausgaben sowie Wikidata von MySQL 5.1 auf MariaDB 5.5 umgestellt. Das geht aus einem ausführlichen Blogbeitrag des für die Migration verantwortlichen Asher Feldman hervor.

Schon bisher lief bei Wikipedia kein Original-MySQL, sondern eine von Facebook modifizierte Variante. Mit deren Verbesserungen gegenüber Oracles Code sei man zwar zufrieden gewesen, aber MariaDB bringe weitere, nützliche Funktionen. Dazu gehören Verbesserungen im Query-Optimierer ebenso wie von Percona beigesteuerten Fähigkeiten, etwa das Speichern des Buffer-Pools. Beim Neustart kann der Server ihn sofort von der Platte lesen, sodass er keine Zeit mit dem Füllen des Pools vertrödelt.

Bei den Tests vor der Umstellung seien nicht nur Inkompatibilitäten im eigenen Code, sondern auch zwei Bugs in MariaDB entdeckt worden. Dessen Entwicklerteam habe sehr schnell Abhilfe geschaffen, schreibt Feldman. Nachdem Fehler behoben und Benchmark-Tests mit der neuen Datenbank erfolgreich verlaufen waren, testete das Wikipedia-Team MariaDB unter Produktionsbedingungen. Dabei stellte es einen Rückgang der durchschnittlichen Antwortzeit von 15,4 auf 12,7 Millisekunden fest. "Viele Abfragearten waren unter Produktionsbedingungen mit MariaDB 5.5.30 4 bis 15 Prozent schneller, einige wenige 5 Prozent langsamer." Zu Hochzeiten muss die britische Wikipedia-Site etwa 50.000 Anfragen pro Sekunden beantworten.

Dass MariaDB freie Software ist, sei ein ebenso wichtiger Grund für den Wechsel gewesen: "Als Unterstützer der Bewegung für freie Kultur bevorzugt die Wikimedia-Stiftung freie Software-Projekte. Dazu gehört eine Vorliebe für Projekte ohne unterschiedlichen Code für freie und Enterprise-Editionen." Oracle bietet sowohl eine Community- als auch eine Enterprise-Ausgabe von MySQL an. Letztere enthält inzwischen einige Funktionen, die der freien Variante fehlen.

Innerhalb des nächsten Monats sollen alle Wikipedia-Sites auf MariaDB umgestellt werden. Das im Februar 2013 veröffentlichte MySQL 5.6 hält Feldman nicht für eine sinnvolle Alternative: MariaDB bringe viele von dessen Funktionen bereits mit, den Rest erwarte er für MariaDB 10. Zudem sei MySQL 5.6 mit Performance- und Stabilitätsproblemen gestartet. (ck)