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Test: iPhone 6 und 6 Plus mit NFC, LTE-Modem und 4-Zoll-Display

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Apples neue iPhone-Modelle sind nicht nur größer und leistungsstärker, sie bringen auch neue Funktionen mit. Wir haben bereits erste Erkenntnisse im c't-Labor gesammelt.

Zuallererst fällt natürlich das im Verhältnis zum iPhone 5s sehr viel größere Gehäuse des neuen iPhone 6 Plus auf. Es ist dreieinhalb Zentimeter länger, gut zwei Zentimeter breiter – und einen halben Millimeter dünner (vgl. PDF "iPhone 6 im Größenvergleich [1]"). Es passt noch einigermaßen bequem in die Hosentasche. Die Maße des iPhone 6 liegen ungefähr dazwischen (technische Daten im Vergleich bei Apple) [2].

Statt scharfer Kanten sind wie beim ersten iPhone wieder stark abgerundete Seiten angesagt, die Alurückseite biegt sich um die Seiten und schließt an der Glasfront ab. Das wirkt sehr edel. Der Ein- und Ausschalter ist an die rechte obere Seite gewandert.

iPhone 6 und 6 Plus im Hands-on-Video

Ist das iPhone 6 noch einigermaßen mit einer (großen) Hand zu bedienen, gelingt das beim iPhone 6 Plus nicht mehr. Daran ändert auch der Einhandmodus nicht viel, der sich durch zweimaliges Tippen auf den Home-Button aktiviert und die obere Bildschirmhälfte in die untere verschiebt. Für die meisten Aktionen muss man die zweite Hand zur Hilfe zu nehmen, so wie bei anderen Smartphones mit 5,5- oder 6-Zoll-Display auch.

Die Displays zählen zu den besten auf dem Markt. Der fast verdoppelte Kontrast lässt Schwarz dunkler erscheinen als bei den Vorgängern und übertrumpft nun beinahe alle Konkurrenten – wenn man mal von Smartphones mit AMOLED-Technik absieht.

Mehr Platz für Apps

Vom 4,7-Zoll-Display (1334 × 750 Pixel, 326 dpi) des iPhone 6 profitiert der Nutzer vor allem beim Umgang mit Browser und textlastigen Apps wie dem E-Mail-Client oder iBooks, die nun mehr Inhalt bei gleicher Zoomstufe anzeigen können. Auch das Betrachten von Fotos und Videos macht mehr Spaß. Im Unterschied dazu skalieren Bedienelemente und Fenster bei den Standardanwendungen (zumindest bisher) einfach nur hoch.

iPhone 6 und 6 Plus (Stand: September 2014) (0 Bilder) [3]

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Anders beim iPhone 6 Plus. Es nutzt die größere Fläche (1920 × 1080 Pixel, Full HD, 401 dpi) teilweise auch zur verbesserten Bedienung, beispielsweise kennen Home-Screen und die meisten Standard-Apps auf ihm plötzlich einen Quermodus – ähnlich wie beim iPad. Die virtuelle Tastatur blendet zusätzliche Tasten ein.

Andere Apps skalieren zunächst einfach nur hoch, wodurch nicht nur Grafiken, sondern auch Schriften leicht unscharf geraten. Viele Inhalte wirken unnötig groß (siehe Hands-on-Video von Mac & i). Damit sie die große Fläche des iPhone 6 Plus optimal nutzen, müssen die Entwickler sie anpassen. Im Lauf der nächsten Wochen dürfte das bei den wichtigsten erfolgt sein.

Technik und Fazit

Leichte Verbesserungen gibt es bei den Kameras. Fotos gefallen wie beim Vorgänger durch hohe Schärfe und natürliche, wenn auch etwas blasse Farben. Der kontinuierliche Autofokus ist rasend schnell. Einen optischen Bildstabilisator gibt es nur im iPhone 6 Plus. Mit seiner Hilfe verwackelten Fotos in unserem Testlabor nicht einmal bei dunklen 10 Lux (etwa abendliche Straßenbeleuchtung). Er ermöglicht ohne Qualitätsverlust schön ruhige Full-HD-Videos, selbst wenn man eine zitterige Hand hat – mit erstmals 60 Frames pro Sekunde. Panoramen nehmen jetzt bis zu 43 Megapixel ein.

Das Objektiv der verbesserten Kamera steht leicht hervor. Das Gehäuse liegt damit nicht mehr plan auf der Tischfläche, es sei denn, man verwendet eine Hülle.

Der A8-Prozessor hat weiterhin zwei 64-Bit-fähige CPU-Kerne und ist etwa 20 Prozent schneller als der Vorgänger. Sein Grafikkern erreicht sogar bis zu 50 Prozent bessere Ergebnisse als der im A7, was Spiele nutzen können, um mehr Details zu berechnen. Der ebenfalls überarbeitete Co-Prozessor M8 sammelt Sensordaten unabhängig von der CPU und erfasst nun auch erklommene Steigungen und Treppen.

Der 64-bittige Dual-Core-Prozessor A8 läuft anscheinend mit 1,4 GHz.

Premiere feiern NFC (Near Field Communication) für Apple Pay sowie ein "Secure Element", in dem der Dienst den für Zahlungen benötigten dynamisch erzeugten Sicherheitscode und die individuelle Geräte-Kontonummer ablegt (siehe c't 21/14, S. 22). Neu ist obendrein das Barometer, mit dem das iPhone den Luftdruck misst und daraus Höhenunterschiede berechnet.

Das LTE-Modem unterstützt nun 16 LTE-Bänder (inklusive der drei deutschen) und empfängt Daten erstmals bei Apple mit bis zu 150 MBit/s. Der Arbeitsspeicher ist weiterhin 1 GByte groß.

Bei Dauerlast wird das iPhone 6 spürbar warm und erreicht auf der Rückseite bis zu 41 Grad. Die ersten Ergebnisse aus dem Testlabor deuten auf sehr gute Akkulaufzeiten hin.

Mindestens 700 Euro für das iPhone 6 und 800 Euro für das iPhone 6 Plus verlangt Apple für die Modelle mit mageren 16 GByte internem Speicher. 64 GByte kosten jeweils 100 Euro, 128 GByte 200 Euro Aufpreis.

Fazit

Wer ein älteres iPhone besitzt oder schon sehnsüchtig auf ein größeres Display wartet, wird an den Modellen der Generation 6 seine Freude haben. Ist man mit der Leistung und dem 4-Zoll-Bildschirm des iPhone 5s glücklich, kann man sie hingegen getrost überspringen.

Für Windows-Phone- und Android-Nutzer ist mit den größeren Displays eines der wichtigsten Argumente gegen ein iPhone weggefallen. Bei den Android-Flaggschiffen hat man immer noch mehr Anpassungsmöglichkeiten, eine Vielfalt an Geräten mit unterschiedlicher Ausstattung und vor allem günstigere Preise.

Ausführliche Test- und Benchmarkergebnisse sowie weitere technische Details bringt c't 21/14, ab 20. September am Kiosk.


URL dieses Artikels:
http://www.heise.de/-2392157

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/meldung/Zum-Ausdrucken-iPhone-6-und-6-Plus-im-Groessencheck-2388853.html
[2] http://www.apple.com/de/iphone/compare/apple.com
[3] https://www.heise.de/mac-and-i/bilderstrecke/bilderstrecke_2392294.html?back=2392157
[4] https://www.heise.de/mac-and-i/bilderstrecke/bilderstrecke_2392294.html?back=2392157