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Angehört: AirPods Pro im ersten Test

Apples AirPods Pro können Nebengeräusche aktiv unterdrücken und sollen besser klingen. Wie gut das funktioniert, haben wir ausprobiert.

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Ein klassischer AirPod mit Ladecase neben den neuen AirPods Pro (rechts).

(Bild: Volker Weber)

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Die AirPods sind ein Erfolgsmodell. Wie schon die weißen Strippen der iPod-Ohrhörer hat sich das Design der kleinen weißen Stummel durchgesetzt und findet treue Nachahmer, von No-Name-Clones bei fliegenden Straßenhändlern bis zu veritablen chinesischen Android-Anbietern. Binnen einem Jahr wurden die AirPods laut Apple die weltweit meistverkauften drahtlosen Kopfhörer.

Die AirPods funktionieren mit Apple-Gerätschaften perfekt und mit anderer Hardware leidlich gut. Vor allem aber passen sie in die allermeisten Ohren ohne herauszufallen und klingen passabel. Apple hat es hinbekommen, dass diese Ohrstöpsel in unterschiedlich großen Ohren sitzen.

Den AirPods fehlt jedoch die Fähigkeit, den Hörer von seinen Umgebungsgeräuschen zu isolieren. Deshalb sind sie im Flugzeug schlicht nicht laut genug. Für eine passive Geräuschdämmung sitzen sie zu schlecht und aktiv unternehmen sie nichts, um dem Lärm entgegen zu wirken. Beide Mankos beheben die AirPods Pro.

Die AirPods Pro werden mit drei unterschiedlich großen Silikon-Stöpseln geliefert, die dafür sorgen, dass die Gehörgänge möglichst gut geschlossen werden. Für die aktive Geräuschunterdrückung (ANC, Active Noise Cancellation) hat jeder AirPod Pro ein außen- und ein innenliegendes Mikrofon. Das außen liegende Mikro dient einem Feedforward-ANC. Apples H1-Chip erzeugt ein phasenversetztes Signal des Umgebungslärms und füttert es über die Lautsprecher in den Gehörgang. Das zweite Mikro hört nun ins Ohr hinein und misst das Ergebnis und füttert es in einen Feedback-Mechanismus. Aus Feedforward- und Feedback-ANC entsteht so eine hybride Geräuschunterdrückung.

Die nach innen gerichteten Mikros nutzt der H1 auch zur Klangkorrektur. Wenn der Gehörgang nicht ganz verschlossen ist, dann fallen die Bässe ab und müssen deshalb hochgeregelt werden. Den Effekt kann man mit gewöhnlichen AirPods nachahmen. Drückt man sie von hinten ins Ohr, dann werden sie dichter und der Bass wird stärker. Die AirPods Pro machen diese Anpassung automatisch durch Klangveränderung der zugespielten Musik.

Die Versiegelung des Gehörgangs kann man aktiv auflösen, in dem man die AirPods Pro anweist, das Signal vom Außenmikro durchzuschalten. Die Geste dafür ist einfach zu lernen: Man quetscht den aus dem Ohr ragenden Stummel des AirPods, um den Transparentmodus ein- und auszuschalten, ähnlich wie man einen gewöhnlichen AirPod herausnimmt, wenn man sein Gegenüber nicht versteht. Diese Geste ist individuell konfigurierbar. Das lange Quetschen kann z.B. links Siri rufen und rechts die Geräuschunterdrückung schalten. Dabei kann man drei Zustände wählen: An, Aus, Transparenz. Bei Reisen wird man nur zwei davon brauchen und spart sich damit das Durchklicken aller drei Optionen.

Apple AirPods Pro im ersten Test (11 Bilder)

Die neuen AirPods Pro stehen etwas weniger weit aus dem Ohr heraus...
(Bild: Volker Weber)

ANC funktioniert gut mit gleichmäßigem Lärm vorwiegend tiefer Frequenzen wie etwa dem Lärm von Flugzeugturbinen. Speziell das Feedback-ANC tut sich schwer mit hohen Frequenzen und plötzlichen Ereignissen. Feedforward-ANC dagegen kann bis etwa 1 bis 2 kHz unterdrücken und wird dabei auch gut von der passiven Versiegelung des Gehörgangs unterstützt. Dafür ist das außen liegende Mikro empfindlich gegen Windgeräusche.

Um die Wirksamkeit des ANC beurteilen können, haben wir uns einfach an eine belebte Straßenkreuzung gestellt und die AirPods Pro mit den Bose QC35 verglichen. Das ist das beliebteste Headset unter Vielfliegern, gerade wegen seiner effektiven Geräuschunterdrückung. Die QC35 haben zwei Stufen der Geräuschunterdrückung; die stärkere ist standardmäßig eingestellt und verursacht bei vielen Menschen ein Überdruckgefühl, das tatsächlich nur psychosomatisch ist.

Das Gehirn nimmt den starken Gehörverlust und die Änderung der Frequenzkurve so wahr wie bei einem Druckunterschied zwischen Innen- und Außenohr. Die schwächere Stufe mindert die Wirkung des ANC und auch diese Nebenwirkung.

Die AirPods Pro müssen sich den Bose QC35 nicht geschlagen geben. Die Geräuschunterdruckung ist effektiv, sowohl bei tiefen als auch bei hohen Frequenzen. Sie sind deutlich besser als die schwache Bose-Einstellung und nur wenig schlechter als die starke. Dabei haben wir kein Überdruckgefühl gespürt. Der Transparenzmodus ist ebenfalls beeindruckend. Er schaltet nicht etwa nur die aktive Geräuschunterdrückung aus, sondern vermittelt das Gefühl, man trage gar keine Stöpsel im Ohr.

Auch beim Klang können die AirPods Pro – vor allem im Vergleich mit den normalen AirPods – überzeugen. Bässe sind druckvoller, die AirPods Pro klingen entsprechend lauter, ohne schrill zu werden. Bass Drum und Bass Line in "Passion" (Naked Edit, 1992) von Gat Décor kommen kräftig und trocken rüber, Hotel California von den Eagles Live-Album Hell Freezes Over (1994) klingt luftig und transparent mit wuchtiger Bass Drum und bei Kashmir von Led Zeppelin (Live, Celebration Day, 2012) fliegt einem das Blech weg. Das können die normalen AirPods nicht.

Der Tragekomfort ist überraschend gut für ein In-Ear-Headset. Die Ohreinsätze klipsen nur an einer Stelle in den Körper der AirPods Pro und verformen sich deshalb sehr frei, um sich an den Gehörgang anzupassen. In den Bluetooth-Einstellungen gibt es einen Passtest, der ein kurzes Musikstück abspielt und über die nach innen gerichteten Mikrofone prüft, ob die richtigen Ohreinsätze montiert sind.

In-Ears mit luftabschließelnden Manschetten haben gewöhnlich das Problem, dass man seine eigene Stimme von innen wahrnimmt, als würde man die Finger in die Ohren stecken. Auch wenn man läuft, hört man merkwürdige Geräusche. Bei den AirPods Pro hat Apple mehrere Lösungen eingebaut. Zwei Bewegungssensoren, die feststellen, ob man spricht oder sich sportlich bewegt, dienen als Input für die Klangaufbereitung. Dazu haben die Hörer ein Ventil, dass Druckunterschiede zwischen der Innen- und der Außenseite egalisiert. Mit diesen Maßnahmen hat Apple diese Nachteile von In-Ears erfolgreich abgestellt.

Pro heißt bei Apple nicht unbedingt "professionell", sondern einfach "teurer". Man muss also nicht darüber streiten, ob AirPods Pro gegenüber stinknormalen AirPods professioneller sind. Sie sind einfach teurer – und besser.

Die AirPods Pro sollen ab Ende der Woche in den Handel kommen, sie kosten mit Ladecase beim Hersteller 279 Euro. Apple bietet die True-Wireless-Ohrhörer weiterhin ausschließlich in der Farbe Weiß an. Mindestvoraussetzung für die Nutzung mit Apple-Hardware ist neueste Software: iOS oder iPadOS 13.2, watchOS 6.1 sowie macOS Catalina 10.15.1 – die beiden letztgenannten Updates stehen noch aus.

  • Einen ausführlichen Test der AirPods Pro lesen Sie in Mac & i Heft 6/2019, das ab dem 5. Dezember im Zeitschriftenhandel erhältlich ist.

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(Volker Weber) / (vowe)