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Anti-Spam-App mit Zugriff auf Anrufe: Indischer Regulierer will Apple zu Unterstützung zwingen

Der Streit um die Anti-Spam-App der indischen Telekom-Regulierungsbehörde scheint zu eskalieren: Apple möchte der App keinen Einblick in die Anruf- und SMS-Liste des Nutzers geben, der Regulierer will deswegen nun klagen.

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Tim Cook/Modi

Bei einem Besuch in Neu-Delhi im vergangenem Monat traf Apple-Chef Tim Cook (links) den Indischen Premierminister Narendra Modi.

(Bild: dpa, Government Of India/Handout)

Die indische Regulierungsbehörde für den Telekommunikationsmarkt (Trai) will Apple mit einer Klage dazu bringen, die hauseigene Anti-Spam-App zuzulassen: Man werde jetzt die "erforderlichen rechtlichen Schritte" unternehmen, teilte der Chef der Behörde gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters mit – das Verhalten des iPhone-Konzerns sei "ungerecht".

Die seit über einem Jahr erhältliche Android-Version der Anti-Spam-App fordert weitreichende Zugriffsrechte, die neben dem Adressbuch des Nutzers auch dessen Anrufliste mit Telefonnummern und die SMS-Nachrichten erfassen. Dies erlaube Nutzern, Spam-Anrufe und Mitteilungen gleich zu melden, so die Behörde. Apple hat sich bislang unter Verweis auf Datenschutzrichtlinien geweigert, die "Do not Disturb" genannte App des Regulierers zuzulassen. Der von der Behörde geforderte umfassende Zugriff auf Anrufe und SMS-Nachrichten ist für iOS-Apps generell nicht vorgesehen.

Seit iOS 10 können Dritt-Entwickler eine von Apple bereitgestellte API nutzen, um Spam-Anrufe zu ermitteln und unterdrücken ohne dadurch Einblick in alle Anrufe zu erhalten. Mit iOS 11 wurde eine ähnliche Funktion für SMS-Nachrichten nachgereicht. Apple hat nach eigener Angabe mit den Entwicklern der Regulierungsbehörde zusammengearbeitet, um eine Lösung zu finden, die die Funktionalität der App aufrecht erhält und zugleich Nutzerdaten schützen soll. Man wolle Nutzer auch für Spam-Anrufen schützen, erklärte Apple gegenüber Reuters – die bestehende App der Regulierungsbehörde verstoße aber gegen die eigenen Datenschutzvorgaben.

Der Chef der Behörde hatte Apple wegen der App-Ablehnung im vergangenen Sommer scharf kritisiert und dem Konzern eine “Kolonialisierung der Daten” sowie Nutzerfeindlichkeit vorgeworfen. Indien gehört zu den wichtigsten Wachstumsmärkten für Smartphone-Hersteller. Apple hat 2017 begonnen, mit dem iPhone SE erstmals ein iPhone-Modell lokal produzieren zu lassen, um auf dem von sehr günstigen Geräten dominierten Markt Fuß zu fassen.

(lbe)