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App Store: Apple lehnt Sony Reader ab [Update]

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Apple hat den Sony Reader, eine Buchlese-Anwendung für iOS-Geräte, offiziell zurückgewiesen. Wie die New York Times in ihrer Dienstagsausgabe berichtet, habe der iPhone-Hersteller dem japanischen Elektronikkonzern mitgeteilt, dass alle sogenannten In-App-Einkäufe, also der Erwerb von Inhalten innerhalb einer Anwendung, über Apple laufen müssten – inklusive der dann fälligen 30 Prozent Gebühr. Steve Haber, Präsident der E-Book-Abteilung von Sony, sagte der New York Times, dies sei "das Gegenteil von dem, was wir auf den Markt bringen wollten". Sony habe immer vorgehabt, die Inhalte auf möglichst viele Geräte zu holen, "nicht ein Gerät zu einem Online-Shop".

Dass Apple damit beginnt, Anwendungen abzulehnen, die alternative Kaufwege für Inhalte innerhalb der App verwenden, ist schon seit längerem bekannt. Tatsächlich steht in den App-Store-Regeln des iPhone-Herstellers, dass jegliche App, die ein System zum Verkauf von Inhalten, Funktionen oder Diensten verwendet, das nicht der von Apple vorgeschriebenen "In-App-Purchase API" (IAP) entspricht, zurückgewiesen wird. Laut E-Mails, die an Entwickler gingen, haben bereits im App Store eingestellte Programme eine Schonfrist bis zum 30. Juni. Frische Apps wie Sonys Reader scheinen nun direkt zurückgewiesen zu werden.

Sony hatte seine Reader-Version für iOS im November angekündigt, sie sollte eigentlich bereits einen Monat später erscheinen. Auf seiner Website schreibt das Unternehmen mittlerweile, Apple habe die Regeln "ohne große Vorwarnung" geändert, weshalb die aktuelle Reader-Version für das iPhone nicht verfügbar sei. "Wir haben einen Dialog mit Apple gestartet, um zu sehen, wie wir eine gerechte Lösung für dieses Problem finden können." Außerdem verfolge man "weitere Wege", um die "Reader-Erfahrung" für Apples Mobilgeräte anzubieten.

Bislang ist unklar, wie genau Sony den Bezahlvorgang in seiner Anwendung abwickeln wollte. Buch-Apps wie der Kindle Reader von Amazon oder die Nook-Anwendung von Barnes & Noble bedienen sich derzeit nämlich eines Tricks beim Buchkauf: Sie leiten kurz in den in iOS integrierten Mobil-Browser Safari um, wo dann Bestellung und Bezahlung abgeschlossen werden. Anschließend kann der Nutzer zurück in die Buch-App wechseln und das frisch gekaufte Werk herunterladen beziehungsweise synchronisieren.

Laut New York Times soll Apple nun Entwicklern mitgeteilt haben, dass nicht nur der Verkauf von Inhalten innerhalb von Apps ohne Nutzung der In-App-Purchase-API verboten sei, sondern auch der Zugriff auf Einkäufe außerhalb des App Store. Eine Bestätigung hierzu liegt von Apple bislang noch nicht vor. Sollte der Bericht stimmen, müssten auch Kindle Reader oder Nook um ihre Position im App Store fürchten. Ob Apple sich wirklich auf dieses wettbewerbsrechtliche Glatteis wagt, bleibt abzuwarten. Im Bereich von Zeitungsabos gibt es dafür allerdings erste Hinweise.

[Update:] Nachdem Apple zunächst auch gegenüber Mac & i keine Stellungnahme zu den Vorgängen um den Sony Reader abgeben wollte, meldete sich am Abend eine Sprecherin zu Wort. In einem Statement gegenüber US-Medien hieß es, Apple habe "seine Entwicker-Vorgaben und Regeln nicht geändert". Es gibt aber trotzdem eine Neuerung: Das Unternehmen verlangt laut der Sprecherin "nun", dass Apps, die Kunden anbieten, Bücher außerhalb des Programmes zu kaufen, die gleiche Option "auch" in Form von In-App-Einkäufen für die Kunden bereithalten.

Sollte Apple diese Politik tatsächlich durchsetzen, müsste Amazon in seiner Kindle-App auch In-App-Einkäufe anbieten – inklusive der 30-Prozent-Abgabe für Apple. Da solche und andere Unternehmen sehr knapp kalkulieren, könnte das höchst schwierig werden, von den notwendigen technischen Änderungen im Backend ganz abgesehen. Zu anderen Inhalteformen äußerte sich die Apple-Sprecherin nicht. Wäre der iPhone-Hersteller konsequent, müsste das Unternehmen etwa bei Video-Strömen von Netflix oder der Zeitschriften-Anwendung von Zinio, die beide extern bezahlt werden, ebenfalls auf In-App-Einkaufsmöglichkeiten pochen. Auch hier ist mit großem Widerstand zu rechnen.

Für Endkunden ergäbe Apples Politik – sollten sich die Inhalteanbieter aufgrund der neuen, rigiden Auslegung nicht aus dem App Store zurückziehen oder Preiserhöhungen durchführen – allerdings eine Usability-Erleichterung: Die könnten optional ihre Inhalte-Einkäufe künftig komplett auf dem iOS-Gerät tätigen und müssten nicht mit externen Websites jonglieren. (bsc)