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Apple-Chef: Datenschutzprobleme bald zu groß, um sie zu beheben

Tim Cook glaubt, dass die Politik aktiv werden muss, um die Bürger vor Missbrauch zu schützen – obwohl er eigentlich kein Fan von Regulierung sei.

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Tim Cook und Peter Kolski

Tim Cook (r) lobte bei einem kürzlichen Berlin-Besuch die Datenschutzgrundverordnung der Europäischen Union.

(Bild: dpa, Brooks Kraft/Apple)

Apple-Boss Tim Cook hat nach seinem vielbeachteten Auftritt bei der 40. Internationalen Konferenz der Beauftragten für den Datenschutz und den Schutz der Privatsphäre in Brüssel per TV-Interview noch einmal nachgelegt. Nachdem er am Mittwoch bereits gesagt hatte, die zunehmende Datensammelei führe zu einer Überwachung und Radikalisierung – er sprach in diesem Zusammenhang gar von einem "datengetrieben-industriellen Komplex" –, betonte er nun, es bestehe die Gefahr, dass das Problem so groß werden könne, dass es bald unmöglich zu lösen sei.

Er selbst sei keine Person, die Regulierung schätze, so der Apple-CEO gegenüber CNN. Es gebe aber Zeiten, in denen der freie Markt nicht funktioniere, weshalb es notwendig werde, dass der Staat handelt. Die Daten, die über die Menschen ohne deren Wissen gesammelt werden, nähmen überhand – und wenn Menschen ihre Einverständnis erteilten, erfolge dies in Form von rechtlichen Dokumenten die 70 Seiten hätten. Der Schutz der Privatsphäre in Form von Gesetzen sei für jedes Land der Welt entscheidend. "Die Daten gehören Ihnen", so Cook.

Das Problem sei viel größer als die Technikindustrie selbst, da so viele Unternehmen Daten sammelten. "Die Leute haben mehr Informationen auf ihren Geräten als in ihrem eigenen Haus." Alle Informationen, die "da draußen" seien, sind für Cook wesentlich zu breit: "Es ist einfach zu viel, die sollten nicht existieren." Er habe zwar keine Probleme mit werbegetriebenen Geschäftsmodellen wie denen von Google oder Facebook. Doch die Datensammelei habe längst eine Linie überschritten. Es existierten tiefe digitale Profile, die die Menschen besser beschrieben als sie sich selbst kennen.

Cook sprach gegenüber CNN auch über die aktuelle Affäre um angebliche Spionagechips auf Hauptplatinen von Servern, die auch bei Apple gestanden haben sollen. Apple, Amazon und Hersteller Supermicro hatten sich ungewöhnlich scharf gegen den Bericht des Wirtschaftsmagazins Bloomberg BusinessWeek gewehrt.

Cook wiederholte diese Kritik gegenüber CNN. Der Artikel sei, was den Teil über Apple betreffe, "zu 100 Prozent eine Lüge" und "komplett falsch, es steckt keine Wahrheit dahinter". Apple habe niemals Hackchips auf seinen Servern gefunden und dies auch dem FBI nicht gemeldet und sei auch nicht vom FBI konaktiert worden. Der Artikel müsse zurückgezogen werden, weil es schon "genügend Fake-Informationen da draußen" gebe. "Cybersicherheit ist ein wichtiges, sehr wichtiges Thema."

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