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Apple-Chef Tim Cook: Datensammlung führt zu Überwachung und Radikalisierung

Apples CEO hat das Anlegen detaillierter Nutzerprofile scharf angegriffen: Persönliche Informationen würden als Waffe gegen den Nutzer eingesetzt.

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Apple-Chef Tim Cook

Apple-Chef Tim Cook auf der ICDPPC in Brüssel.

(Bild: Screencap des Videos von European Data Protection Supervisor)

Apple-Chef Tim Cook hat mit deutlichen Worten vor einem wachsenden "datengetrieben-industriellen Komplex" gewarnt. "Unsere eigenen Informationen, von alltäglichen bis hin zum extrem privaten Dingen, wird mit militärischer Effizienz als Waffe gegen uns selbst eingesetzt", erklärte Cook im Rahmen einer Keynote auf der 40. Internationalen Konferenz der Beauftragten für den Datenschutz und den Schutz der Privatsphäre (ICDPPC) in Brüssel.

Auf Basis von Likes und sozialen Kontakten würden an jedem Tag Milliarden von Dollar den Besitzer wechseln, führte Cook aus. Jede Einzelinformation des Nutzers sei für sich genommen sei zwar "unbedenklich", doch die Daten würden "sorgfältig gesammelt, zusammengefasst, gehandelt und verkauft".

Algorithmen sorgen außerdem dafür, dass für diese intimen Nutzerprofile immer extremere Inhalte ausgeliefert werden, so der Apple-Chef. Aus "harmlosen Vorlieben" würden so "gefestigte Überzeugungen" und das so geschaffene "immer engere Weltbild" könne tödliche Auswirkungen haben. Man dürfe "die Konsequenzen nicht beschönigen", betonte Cook – "es handelt sich dabei um Überwachung" und diese Datenberge würden ausschließlich zur Bereicherung der Firmen dienen, die sie sammeln.

Auch für das Voranbringen künstlicher Intelligenz (KI) werde das massive Sammeln von Daten propagiert, erläuterte Cook vor den Teilnehmern der Konferenz, dabei handele es sich jedoch "um Faulheit und nicht um Effizienz". Um eine wirklich schlaue KI zu erschaffen, müsse diese menschliche Werte respektieren – "dazu gehört auch die Privatsphäre". Es liege in der Verantwortung der Konzerne, "großartige KI und zugleich großartige Datenschutzstandards" hervorzubringen.

Derzeit sehe man, wie Technik schaden kann statt zu nützen, die algorithmisch getriebenen Plattformen würden unsere "schlechtesten menschlichen Tendenzen" verstärken. Technik könne ihr wahres Potential erst dann entfalten, wenn dieser Vertrauen entgegengebracht wird, bekräftigter der Konzernchef, dies sei nur durch umfassenden Datenschutz möglich. In Anlehnung an die europäische Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) forderte der Apple-Chef deshalb ähnliche Vorgaben rund um die Sammlung von Nutzerdaten in den USA: Dazu gehören Datenminimierung, Transparenz, Zugang zu den persönlichen Daten – sowie deren Schutz durch Sicherheitsmechanismen.

Apple pocht seit längerem verstärkt auf Datenschutz und hat sich damit klar gegen Konkurrenten wie Google und Facebook positioniert. Anfang des Jahres hatte Cook bereits erklärt, eine detaillierte Nutzerdatensammlung wie von Facebook "sollte nicht existieren" und nach Regulierung gerufen. Im Unterschied zu den beiden Konzernen verdient Apple sein Geld nicht durch Werbung, sondern hauptsächlich mit dem Verkauf von Hardware.

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(lbe)