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Apple-Softwarechef: Zentralisierung persönlicher Daten "eine Bedrohung"

Privatsphäre lasse sich langfristig nur schützen, wenn man Nutzerdaten gar nicht erst in der Cloud sammelt, so Apple-Manager Craig Federighi.

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Apples Software-Chef Craig Federighi.

(Bild: dpa, Marcio Jose Sanchez/AP)

Mac & i
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Apples Softwarechef Craig Federighi hat sich gegen das Erstellen von Nutzerprofilen in der Cloud ausgesprochen: Man betrachte "die Zentralisierung persönlicher Informationen als eine Bedrohung", unabhängig davon, ob diese in Apples Hand oder in Besitz einer anderen Firma sind, erklärte der Manager in einem Interview. Auf lange Sicht könne "Sicherheit in der Server-Welt allein keinen adäquaten Schutz für die Privatsphäre bieten".

Federighi plädierte stattdessen dafür, Personalisierung und Künstliche-Intelligenz-Funktionen lokal auf den Geräten auszuführen, so dass die Daten nicht hochgeladen werden müssen. Man könne die Privatsphäre der Nutzer letztendlich nur schützen, wenn man "die Daten gar nicht erst gesammelt und zusammengeführt hat", betonte Federighi gegenüber der britischen Zeitung The Independent. Funktionseinbußen seien dadurch nicht zu befürchten.

Wenn die Daten erst gar nicht in der Cloud landen, könne auch niemand darüber zugreifen, erklärte Federighi in Hinblick auf die erhebliche Kritik, die Apple zuteil wurde, weil der Konzern Daten chinesischer iCloud-Nutzer auf Server chinesischer Firmen verlagern musste. Auch setze das Unternehmen auf Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, so dass es für Dritte unmöglich sei, etwa iMessage-Nachrichten mitzulesen. Mehrere iCloud-Dienste sind nach wie vor allerdings nicht durch Ende-zu-Ende-Verschlüsselung abgesichert. Apple-Chef Tim Cook will zwar den Schlüssel zu diesen iCloud-Daten loswerden, allerdings bleibt unklar, wann dies geschehen wird.

Apple wolle in Hinblick auf Datenschutz und Gerätesicherheit ein Beispiel setzen, so der für iOS und macOS zuständige Manager weiter, so dass Kunden in dieser Hinsicht möglichst immer höhere Ansprüche an Produkte stellen. Der Hersteller gab der Zeitung Einblick in ein spezielles Labor, in dem die hauseigenen Chips für künftige Produkte unter Extrembedingungen wie Hitze und Kälte auf Schwachstellen abgeklopft werden.

Angesprochen auf den Seitenhieb von Google-Chef Sundar Pichai Datenschutz dürfe kein Luxusgut sein, betonte der Apple-Manager, man wolle die eigenen Produkte an jeden verkaufen. Der Schutz der Privatsphäre erfordere mehr als ein "ein paar Pressemitteilungen", so Federighi in Anspielung auf Facebooks und Googles jüngste Privacy-Ankündigungen. Werte, Firmenkultur und Geschäftsmodell würden sich nicht über Nacht ändern lassen. (lbe)