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Mac & i

Apple Store Hannover öffnet

Mit dem üblichen Tamtam hat Apple seine 14. Ladenfiliale in Deutschland eröffnet. Mac & i nutzte den Heimvorteil und schaute vorbei.

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Nach gut zwei Jahren Bauzeit öffneten sich am Samstagvormittag die Pforten in der Hannoverschen Bahnhofstraße 5, zunächst für die Presse, dann für die Besucher. Gut 750 Leute warteten nach Schätzungen der Polizei vor den Türen, einige hatten die Nacht vor dem Geschäft verbracht, teils auf Campingstühlen. Es war alles etwas übersichtlicher als in den großen Städten, aber durchaus vergleichbar. Der erste in der Schlange harrte seit Freitagmorgen um 11.30 Uhr aus, es war seine zweite Apple-Store-Eröffnung nach der Filiale im Hamburger Jungfernstieg. "Damals war ich Nummer 11", erklärt er. Alle wollen ihn interviewen, Journalisten der hannoverschen Tagespresse, aus Funk und Fernsehen; die Nummer 1 zu sein ist eben etwas Besonderes. Er war gekommen, um sich ein iPhone 6 Plus zu kaufen, die Topausstattung mit 128 GByte. Die Nummer 2 in der Schlange wollte außer einer Hülle nichts kaufen, er hatte es vor allem auf das T-Shirt abgesehen, das Apple traditionell den ersten Besuchern schenkt. Er war ebenfalls die ganze Nacht da gewesen, vor den Glastüren mit Apple-Aufkleber, zusammen mit seiner Freundin. "Wir haben nicht geschlafen. Aber das ist egal, wir sind Studenten und hatten Zeit", sagen sie, sichtbar übermüdet.

Erste Eindrücke: Traditionell begrüßen Apple-Store-Mitarbeiter ihre ersten Kunden klatschend und jubelnd.

Hinter den noch verschlossenen Türen haben sich die Apple-Store-Mitarbeiter in ihren blauen T-Shirts versammelt, um sich gegenseitig anzufeuern. Das gehört dazu und findet vor jeder Store-Eröffnung statt. Die Kunden sollen jubelnd mit Handschlag empfangen werden, da muss man schließlich in Stimmung sein. Immer wieder hört man sie klatschen und kreischen, kann beobachten, wie sie La-Ola-mäßig im Takt die Arme hochreißen. Als sie etwas später nach vorne kommen, um sich auf die eigentliche Eröffnung vorzubereiten, werden sie wieder angefeuert. Die meisten machen begeistert mit, einigen sieht man an, dass sie sich mit der kalifornischen Lebensfreude Marke Apple erst noch anfreunden müssen.

Die gut 90 "sehr gut ausgebildeten und trainierten" Angestellten kommen mit unterschiedlicher Vorbildung zu Apple, manche haben erst im September angefangen, andere sind schon etwas länger dabei. Sie seien "extrem vielfältig", soll heißen: sie haben unterschiedliche Vorbildung, waren zuvor Einzelhandelskaufmann, Lehrer oder haben in der IT gearbeitet. Einige studieren noch und sind teilzeit bei Apple beschäftigt. Auf den bunten Personalmix, das unterschiedliche Alter -- der jüngste ist 19, der älteste 52 -- und die 18 Sprachen, die die Angestellten insgesamt sprechen, darunter Ungarisch, Hindi und die Gebärdensprache, ist man besonders stolz.

Die Einrichtung des Ladens ähnelt der von anderen Apple-Stores, das verbaute Material ist das gleiche wie das im Berliner Ku'damm. Über 140 Apple-Produkte lassen sich ausprobieren. Wie im Flagship Store der Hauptstadt ist die "360° Genius Bar", der lange Tresen, an dem technisch versiertere Mitarbeiter Fragen beantworten und bei Problemen helfen, offen im Raum angebracht. Kunden und Angestellte begegnen sich auf Augenhöhe.

Apple-Store Hannover (11 Bilder)

Die Ersten

Auch in Hannover harrten manche schon seit dem Vortag aus, um als erste in den neuen Apple-Store zu kommen. In zwei Schlangen warteten die Besucher geduldig auf T-Shirts (links) oder die Möglichkeit zum Einkauf (rechts).

Auch sonst ähnelt das Angebot dem anderer Stores, es gibt Seminare, 1:1-Sessions und "Summer Camps" für Gruppen und Schulkassen zwischen 8 und 12, die im Apple Store den Umgang mit Apple-Produkten erfahren und erlernen können. Man zieht sich die Zielgruppe von Klein auf heran.

Das Geschäft, in dem zuvor "Olymp & Hades" auf mehreren Stockwerken Klamotten verkaufte, wurde aufwendig umgebaut; der eigentliche Kundenbereich ist jetzt nur noch einstöckig. Dementsprechend gibt es auch keine Glastreppe, einst das Markenzeichen in Apples Läden.

Was sich in den Räumen darüber befindet, möchte eine Kollegin von der "HAZ" wissen. "Garderoben und so weiter, Räume für die Mitarbeiter", heißt es, doch weitergehenden Fragen etwa nach der Bauzeit weicht Alexander Niemczyk, "Market Leader Germany North bei Apple Retail", aus. "Unser Standard ist zu sagen, wir bauen einen perfekten Store. Das dauert so lange, wie es braucht." Auch die Größe der Filiale in Quadratmetern wollte der Firmenvertreter nicht beantworten. "Der Laden hat aus meiner Sicht die richtige Größe für die Hannoveraner Innenstadt." Gut, das wissen wir, Anfragen der Presse werden schon seit vielen Jahren wortkarg beantwortet, wenn überhaupt.

Als es schließlich soweit ist und die mittlerweile ebenfalls jubelnde Masse an Besuchern hereingelassen wird, dürfen die ersten durch ein Spalier aus Apple-Store-Mitarbeitern gehen, die strahlen und "Herzlich Willkommen" rufen. Zwischendurch skandieren sie immer wieder "Oh, wie ist das schön". Nebenan raunt einer: "Bin ich hier bei Hannover 96 gelandet"?

Viele der Kunden kaufen iPhone-6-Modelle, von denen hunderte in Stapeln vorbereitet sind. Das kleinere, das ohne "Plus", ist in der Mehrzahl.

Andere Apple-Händler warten noch auf ihre Ware, müssen Interessenten teilweise enttäuschen. Kein Wunder, dass Apple einen Retail-Rekordumsatz nach dem anderen vermeldet. Die Gravis-Filiale in der Ernst-August-Galerie, 3 Minuten Fußweg entfernt, und der Premium-Reseller FundK in der Baringstraße 850 Meter weiter etwa werden es bald an ihren Bilanzen sehen, dass nun auch Hannover einen Apple-Store hat. Drücken wir ihnen die Daumen, dass sie trotzdem überleben. Konkurrenz belebt schließlich das Geschäft.

Update, 14:20 Uhr: Bild durch Videoimpressionen ersetzt. (bkr) / (se)