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Apple TV+ legt nach: Neue Serie, neuer Film

Apple ergänzt seinen Streaming-Dienst um die Serie "Truth Be Told" und den Spielfilm "Hala". Mac & i hat sich beide angesehen.

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Die 17-jährige Hala sucht nach ihrer Identität.

(Bild: Apple)

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Apple hält Wort und füllt seinen Streaming-Dienst Apple TV+ sukzessive mit frischen Inhalten. Neu im Portfolio gibt es die als Zehnteiler konzipierte Serie "Truth Be Told" mit Oscar-Gewinnerin Octavia Spencer sowie den Spielfilm "Hala", in dem es um eine 17-jährige muslimische Teenagerin in einer amerikanischen Highschool geht.

Die Serie erzählt die Geschichte der afro-amerikanischen Poppy Parnell (Octavia Spencer, Oscar für "The Help"), die als Gerichtsreporterin im Fall des verurteilten Mörders Warren Cave (Aaron Paul, "Breaking Bad") zu Ruhm und einer Karriere bei der New York Times kam.

Zwanzig Jahre später überkommen die inzwischen als Podcasterin arbeitetende Poppy Zweifel: Ein Video legt nahe, eine Zeugin sei damals für ihre Aussage vor Gericht manipuliert worden. Sie beschließt, den Fall neu aufzurollen, was sich als schwierig erweist: Warren, der als 16-Jähriger inhaftiert wurde, ist inzwischen Mitglied der Arischen Bruderschaft und hegt für Schwarze generell und insbesondere für Poppy keine großen Sympathien. Ihr Versuch, ihn zu entlasten, stößt auch in ihrem Umfeld auf wenig Gegenliebe.

Dieses solide, wenn auch wenig originelle Szenario könnte durchaus den Hintergrund für eine spannende Krimiserie liefern. Könnte – denn leider setzt die Story lieber auf Lokalkolorit und Poppys familiäre Beziehungen. Der Mordfall selbst, Warrens Gefängnisalltag und die bizarre Familie des Mordopfers, werden allerdings in den ersten drei Folgen bestenfalls angerissen. Allzu oft wirkt vieles zudem schlecht aus Seifenopern und anderen Kriminalserien kopiert.

Die schauspielerischen Leistungen der Protagonisten hingegen überzeugen. Spencer stellt sich als Poppy unerschütterlich allen Widrigkeiten, und Lizzy Caplan ("Das Boot") glänzt in einer Doppelrolle als erwachsene Zwillingstöchter des Ermordeten. Aaron Paul agiert allerdings unter seinen Möglichkeiten; als hasserfüllter Warren bleibt ihm nur wenig Raum, seinen Charakter zu entfalten. Letztlich scheinen alle in grundverschiedenen Serien beheimatet zu sein: Poppy in einem Familiendrama, Warren in einem Gefängnisfilm und die Zwillinge in einer bizarren Seifenoper.

Was bleibt, ist ein bislang nicht zündender Hauptplot und ein Mordkomplott, bei dem es dem Zuschauer ziemlich egal ist, wer wen wie umgebracht hat – und warum.

Die 17-jährige Hala (Geraldine Viswanathan) ist ein typischer amerikanischer Teenager. Ihre Eltern, zwei pakistanische Moslems, haben es – allem Anschein nach – geschafft, den American Dream zu leben. Der Vater (Azad Khan) arbeitet erfolgreich als Anwalt, die Mutter (Purbi Joshi) kümmert sich um den Haushalt. Hala scheint es an Liebe, Unterstützung und Wohlstand nicht zu fehlen.

Hala muss sich in einer Welt zurechtfinden, in der ihre Eltern nie richtig angekommen sind.

(Bild: Apple)

Dennoch fällt es Hala schwer, durch diese Welt zu navigieren. Sie kommt zwar halbwegs mit ihren gelegentlich strengen Eltern klar, will aber auch ihre eigene Stimme finden. Erschwert wird dies, als sie herausfindet, dass auch ihre Eltern selbst noch zwischen den Welten leben. Sie sind nicht nur niemals wirklich in Amerika angekommen, sondern letztlich auch nie bei sich selbst. Halas moralischer Kompass gerät ins Wanken.

"Hala" überzeugt durch leise Töne. Hier geht es nicht um Ehrenmorde, Islamismus oder Kopftücher, sondern um ein Ehepaar, das sich außerstande sieht, der Tochter ein eigenständiges Leben zu ermöglichen. Regisseurin Minhal Baig hat ein bewegendes Teenagerdrama geschaffen, bei dem Religion und Traditionen symbolisch für das stehen, was Eltern und Kinder oft entzweit – eine Geschichte also über typisch menschliches Scheitern.

In der aktuellen Ausgabe 6/2019 der Mac & i finden Sie eine ausführliche Besprechung des Startangebots von Apple TV+. (Karsten Kastellan) / (kai)