Apple: Über 630 App-Rauswürfe auf staatliches Geheiß

Vor allem China und Russland haben den iPhone-Konzern zur Entfernung von Apps gedrängt. Apples Transparenzbericht gibt tiefere Einblicke in Behördenanfragen.

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(Bild: dpa, Maja Hitij)

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Apple hat zum ersten Mal die Zahl der Apps genannt, die aufgrund von staatlichen Anfragen aus dem App Store entfernt werden mussten: Im zweiten Halbjahr 2018 seien aufgrund von "Verletzungen örtlicher Gesetze" weltweit 634 Apps rausgeworfen worden, wie das Unternehmen mitteilte. Gut zwei Drittel der insgesamt 80 Anfragen für App-Löschungen erhielt das Unternehmen von chinesischen Behörden, gefolgt von Russland, das zehn "Takedown Requests" stellte – eine einzelne Anfrage kann jeweils auch die Streichung mehrerer Apps fordern.

Die meisten Apps – über 500 Programme – wurden im Zusammenhang mit "illegalem Glücksspiel oder Pornographie" in China entfernt, wie Apple weiter ausführt. In Norwegen habe das Unternehmen außerdem 37 Apps aus dem Angebot genommen aufgrund von Untersuchungen wegen illegalen Glücksspiels, 15 Apps flogen deshalb auch in der Schweiz raus. In Saudi Arabien hat Apple 25 Apps entfernt, die angeblich gegen lokale Datenschutzgesetze verstießen. Künftig werde er zudem aufführen, falls er Einsprüche gegen diese staatlich geforderten App-Rauswürfe erhalten habe, betont der Konzern.

Neben den App-Rauswürfen nennt Apple in dem Transparenzbericht auch die staatlichen Anfragen zu Geräten, Nutzern und iCloud-Nutzerdaten. Im zweiten Halbjahr 2018 habe Apple Anfragen zu 22.503 Benutzerkonten erhalten, heißt es in dem Bericht.

Die Zahl der Anfragen, in denen iCloud-Nutzerdaten an Behörden übermittelt wurden, habe bei 1227 gelegen – der Großteil aufgrund von Anfragen durch US-Behörden. Welche Daten dabei jeweils preisgegeben wurden, geht aus dem Bericht nicht hervor. Laut Apple können unter die iCloud-Inhalte auch dort gespeicherte Fotos, E-Mails, Kontakte, Kalender sowie die regelmäßig erstellten iPhone-Backups fallen, letztere umfassen einen Großteil der Daten, die auf iOS-Geräten gespeichert sind. Apple hat mehrere Hundert Millionen iCloud-Nutzer.

Einzelne iCloud-Dienste setzen auf Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, Daten lassen sich hier theoretisch nicht einsehen, wichtige Dienste wie das iCloud-Backup sind bislang aber nicht derart umfassend geschützt – obwohl Apple-Chef Tim Cook dies vor längerem in Aussicht gestellt hatte.

Zum ersten Mal zeigt Apple erhaltene National Security Letters.

Apple habe zwischen 3 und 499 National Security Letters erhalten, teilte Apple außerdem mit, die zwischen 1505 und 1999 Nutzer respektive Accounts betroffen hätten.

Solche Anfragen unter dem Foreign Intelligence Surveillance Act (FISA) oder als National Security Letter (NSL) ermöglichen US-Regierungsbehörden, Metadaten anzufragen ohne eine richterliche Anordnung einholen zu müssen. FISA-Anfragen darf Apple erst mit halbjährlicher Verzögerung melden.

Zum ersten Mal hat der Konzern aber mehrere National Security Letter aus dem Jahr 2018 in nur leicht geschwärzter Fassung veröffentlicht, bei denen die gewöhnlich geltende Verschwiegenheitsverpflichtung aufgehoben wurde. (lbe)