Menü
Mac & i

Apple darf Shazam kaufen: EU fürchtet keine Wettbewerbsbeeinträchtigung

Die Übernahme der Musikerkennungs-App versetzt Apple nach Ansicht der EU-Kommission nicht in die Lage, Wettbewerbern wie Spotify die Kunden zu klauen.

Von
vorlesen Drucken Kommentare lesen 11 Beiträge
Apple darf Shazam kaufen: EU fürchtet keine Wettbewerbsbeeinträchtigung

Die Europäische Kommission hat Apples geplante Übernahme des Musikerkennungsdienstes Shazam genehmigt. Nach eingehender Prüfung der "Nutzer- und Musikdaten von Shazam sind wir zu dem Schluss gelangt, dass die Übernahme durch Apple den Wettbewerb auf dem Markt für digitale Musik-Streamingdienste nicht einschränken würde", teilte die für Wettbewerbspolitik zuständige EU-Kommissarin Margrethe Vestager am Donnerstag mit. Daten seien ein zentrales Element der digitalen Wirtschaft, deshalb müsse bei Aufkäufen von großen Datensätzen besonders sorgfältig geprüft werden, betonte die Wettbewerbskommissarin.

Da Apple mit Apple Music den zweitgrößten Musik-Streaming-Dienst hinter Spotify in Europa anbietet, sei man der Frage nachgegangen, ob es die Shazam-Daten Apple ermöglichen, anderen Streaming-Diensten die Kunden abspenstig zu machen und die Übernahme somit einen Wettbewerbsnachteil für die Konkurrenten mit sich bringt, erklärte die Kommission.

Nach eingehender Prüfung sei man zu dem Schluss gelangt, dass die Daten von Shazam "es Apple nicht wesentlich erleichtern, Musikinteressierte anzusprechen", betonte die EU-Kommission in einer Mitteilung, "jedes Verhalten, das bezwecken würde, die Kunden zu einem Wechsel zu ermutigen, hätte nur vernachlässigbare Auswirkungen".

Auch ein möglicher Ausschluss von Diensten wie Spotify aus Shazam wurde nicht als Gefahr angesehen, "da die App als Zugangspunkt zu den Musik-Streamingdiensten der Wettbewerber von Apple Music nur von begrenzter Bedeutung ist". Die Daten von Shazam seien zudem "nicht einzigartig", Wettbewerber könnten nach einem Zusammenschluss weiterhin auf "ähnliche Datenbanken zugreifen", so die Kommission weiter.

Die Musikerkennungs-App Shazam kann über den Zugriff auf die Mikrofone eines Smartphones den Namen des Songs anzeigen, der gerade in der Umgebung gespielt wird.

(Bild: dpa, Daniel Bockwoldt)

Das in Großbritannien ansässige Shazam erlaubt über die gleichnamige App, gerade abgespielte Musik zu identifizieren und verweist zu Wiedergabe und Kauf bislang auf mehrere Musikdienste unterschiedlicher Anbieter.

Apple hatte Ende 2017 angekündigt, Shazam zu übernehmen, Berichten zufolge für rund 400 Millionen Dollar. Was Apple genau mit der Shazam-Technik vorhat, bleibt nach wie vor offen. Firmenaufkäufe in dieser Größenordnung sind eine Seltenheit für Apple, der Konzern kauft gewöhnlich kleine Firmen und Start-ups.

Beobachter spekulieren, Apple wolle den Erkennungsdienst tiefer integrieren, um etwa auch eine Offline-Musikerkennung zu ermöglichen. Zudem dürften die von Shazam erfassten Musikinteressen für Apple relevant sein, die Android-App allein wurde laut Google Play zwischen 100.000.000 und 500.000.000 Mal installiert. (lbe)