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Apple enttäuscht und zahlt

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Niemand hatte ernsthaft einen neuen Rekord erwartet. Einzelne Analysten hatten sogar vermutet, Apple könne die von der Wall Street nicht zu hoch gelegte Latte womöglich sogar knapp reißen – und sie sollten sich durch die Zahlen, die Apple am Dienstagabend nach US-Börsenschluss für das dritte Quartal vorgelegt hat, bestätigt sehen. Die Aktie reagierte prompt und sackte nachbörslich ab.

Apple hat im Ende Juni abgeschlossenen dritten Quartal seines Geschäftsjahres Umsatz und Gewinn zwar erneut steigern und die eigene Prognose übertreffen können, die Zielmarke der Analysten aber verfehlt. Der Umsatz des US-Computerkonzerns wuchs im Vergleich zum Vorjahresquartal von 28,6 Milliarden auf 35 Milliarden US-Dollar (29 Milliarden Euro). Unterm Strich verzeichnet der Hersteller einen Gewinnzuwachs von 7,3 Milliarden US-Dollar (7,79 US-Dollar pro Aktie) auf nunmehr 8,8 Milliarden US-Dollar (7,3 Milliarden Euro) oder 9,32 US-Dollar pro Aktie. Analysten hatten im Mittel mit einem Umsatz von 37 Milliarden US-Dollar und einem Quartalsergebnis von 10,36 US-Dollar pro Aktie gerechnet.

Grund der neuen Skepsis an der Wall Street war das iPhone, mit dem Apple immerhin knapp die Hälfte seines Umsatzes macht. Das Smartphone könnte an Zugkraft verlieren, weil viele Kunden mit der Anschaffung lieber noch warten, bis das iPhone 5 erhältlich ist. Es wird erwartet, das Apple den Nachfolger der aktuellen Gerätegeneration bald vorstellt und im Herbst auf den Markt bringt. Im dritten Quartal hat Apple noch 26 Millionen iPhones abgesetzt. Im Vergleich zum Vorjahresquartal (20,3 Millionen Stück) ist das zwar eine ordentliche Steigerung von 28 Prozent, doch hatte die Wall Street mit im Schnitt 28 Millionen gerechnet. Im zweiten Quartal des aktuellen Geschäftsjahres hatte der Konzern noch 35 Millionen Stück verkauft.

Das iPad ging im abgelaufenen Quartal 17 Millionen Mal über den Tresen, wovon sich CEO Tim Cook in der Mitteilung des Unternehmens sehr erfreut zeigte. Der Absatz legte im Vergleich zum Vorjahresquartal (9,25 Millionen) um 84 Prozent zu. Im zweiten Quartal 2012 hatte Apple 11,8 Millionen Tablets verkaufen können. Das alte Kerngeschäft mit Computern wuchs im Vergleich zum Vorjahresquartal um 2 Prozent auf 4 Millionen verkaufte Macs, darunter 1 Million Desktop-Rechner und 3 Millionen Laptops. Der iPod verliert weiter langsam an Strahlkraft, im dritten Quartal verkaufte Apple noch 6,8 Millionen Stück des Mediaplayers und damit 10 Prozent weniger als im Vorjahr.

Zugleich kündigte Apple an, die im März in Aussicht gestellte Dividende am 16. August auszahlen zu wollen. "Wir investieren weiter in Wachstum und freuen uns, heute eine Dividende in Höhe von 2,65 US-Dollar pro Aktie ankündigen zu können", erklärt Finanzchef Peter Oppenheimer. Für das laufende Quartal erwarte Apple einen Umsatz von rund 34 Milliarden US-Dollar und einen Gewinn von etwa 7,65 US-Dollar pro Aktie. Auch das schmeckte der Börse nicht. Der Kurs der Apple-Aktie gab angesichts des hinter den Erwartungen zurückgebliebenen iPhone-Absatzes und der mäßigen Aussichten im nachbörslichen Handel um mehr als 5 Prozent nach.

Konzernergebnis Apple Inc.
Quartal Umsatz (US-Dollar) Gewinn (US-Dollar)
1/09 * 11.880 Mio. 2.255 Mio.
2/09 * 9.084 Mio. 1.620 Mio.
3/09 * 9.734 Mio. 1.828 Mio.
4/09* 12.207 Mio. 2.532 Mio.
1/10 15.683 Mio. 3.378 Mio.
2/10 13.499 Mio. 3.074 Mio.
3/10 15.700 Mio. 3.253 Mio.
4/10 20.343 Mio. 4.308 Mio.
1/11 26.741 Mio. 6.004 Mio.
2/11 24.667 Mio. 5.987 Mio.
3/11 28.571 Mio. 7.308 Mio.
4/11 28.270 Mio. 6.623 Mio.
1/12 46.330 Mio. 13.060 Mio.
2/12 39.168 Mio. 11.622 Mio.
3/12 35.023 Mio. 8.824 Mio.


* Apple bilanziert seit dem ersten Quartal 2010 nach neuen Buchhaltungsstandards in den USA. Damit werden Einnahmen aus dem Verkauf von iPhone und Apple TV nunmehr vollständig für den Zeitpunkt des Verkaufs verbucht, während sie zuvor über die Lebenszeit der Geräte hinweg auf die Quartale verteilt wurden. Die Angaben zu den Ergebnissen der Vorquartale wurden nach der neuen Bilanzierungsmethode errechnet und weichen entsprechend von den ursprünglich veröffentlichten Zahlen ab. (vbr)