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Apple glänzt trotz enttäuschender iPad-Zahlen

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Die Wall Street hatte auf einen weiteren "Slam Dunk" gewartet: Auch in einem konjunkturell schwächeren Quartal, da sind sich die Experten weitgehend einig, würde Apple ein starkes Ergebnis vorlegen. Doch findet niemand so zielsicher das Haar in der Suppe wie ein Analyst. Sorgen bereitete den Marktbeobachtern die jüngste Klage des iPhone-Herstellers gegen den südkoreanischen Konkurrenten Samsung. In den Gerichtsunterlagen genannte Absatzzahlen für das iPad ließen auf einen deutlich schwächeren Verkauf des Tablets als erwartet schließen – mit etwa 6,5 Millionen Stück rechnete die Wall Street. Dazu kamen Spekulationen über mögliche Auswirkungen der Katastrophe in Japan, von denen bisher niemand so genau sagen kann, ob, wann und in welchem Maße sie die Industrie betreffen werden.

Ungeachtet dieser Überlegungen hat Apple erneut ein Rekordergebnis vorgelegt, musste die Befürchtungen hinsichtlich der iPads allerdings bestätigen. Der Konzern konnte seinen Umsatz im zweiten Quartal (Januar bis März) um satte 83 Prozent auf 24,67 Milliarden US-Dollar steigern, teilte Apple am Mittwochabend nach US-Börsenschluss in Cupertino mit. Im Vorjahresabschnitt hatte Apple 13,5 Milliarden US-Dollar umgesetzt. Unterm Strich konnte das Unternehmen seinen Gewinn auf nahezu 6 Milliarden US-Dollar (6,40 US-Dollar pro Aktie) fast verdoppeln. Mit diesen Zahlen hat das Unternehmen nicht nur die Erwartungen der Wall Street, sondern auch die eigene, ohnehin für Apple schon mutige Prognose übertroffen.

Einen maßgeblichen Beitrag leisteten Macs und iPhones. Im zweiten Quartal verkaufte Apple 3,76 Millionen Computer, darunter gut 1 Million Desktops und 2,76 Mobilrechner. Im Vorjahresabschnitt hatte der Hersteller 2,94 Millionen Rechner verkauft. Die Computersparte trug knapp 5 Milliarden US-Dollar zum Umsatz bei. Für den Löwenteil der Einnahmen sorgte jedoch das iPhone. Apple setzte nach 8,75 Millionen Stück im Vorjahr nun 18,65 Millionen Smartphones ab und damit 12,3 Milliarden US-Dollar um. Im Februar hatte nach dem langjährigen Exklusivpartner AT&T auch Verizon Wireless das begehrte Handy ins Sortiment genommen.

Das iPad konnte die hohen Erwartungen nicht erfüllen. Mit 4,7 Millionen verkauften Tablets blieb Apple wie befürchtet hinter den Prognosen zurück. Man habe jedes im Quartal hergestellte Gerät verkauft, sagte Finanzchef Peter Oppenheimer nach Bekanntgabe der Zahlen in einer Analystenkonferenz. Die Katastrophe in Japan habe entgegen verschiedener Spekulationen im zweiten Quartal keine nennenswerten Auswirkungen auf die Lieferkette und das Ergebnis gehabt, erläuterte COO Tim Cook, der aber im laufenden dritten Quartal mit kleineren Umsatzeinbußen wegen der Situation rechnet.

Die Anleger scheint das zunächst nicht nachhaltig zu verunsichern, die Aktie des Computerriesen zog im nachbörslichen Handel angesichts der ansonsten makellosen Bilanz an. An der Wall Street wird nun Ursachenforschung betrieben. So könnte die Kaufzurückhaltung damit erklärt werden, dass Kunden auf die Einführung des iPad 2 gewartet haben, das erst spät im Quartal auf den Markt kam.

Beim iPod hält die langsame Talfahrt an, dennoch verkaufte Apple immer noch 9 Millionen Stück des Musikplayers, etwa die Hälfte davon das iOS-Gerät iPod Touch. Mit dem iTunes-Store erwirtschaftete das Unternehmen 1,6 Milliarden US-Dollar Umsatz nach 1,3 Milliarden im Vorjahr. "Wir sind äußerst erfreut über unsere Rekordwerte in einem Märzquartal", sagte Oppenheimer. "Vorausschauend auf das dritte Fiskalquartal 2011 erwarten wir einen Umsatz von 23 Milliarden bzw. 5,03 US-Dollar pro verwässerter Aktie."

Konzernergebnis Apple Inc.
Quartal Umsatz (US-Dollar) Gewinn (US-Dollar)
1/09 * 11.880 Mio. 2.255 Mio.
2/09 * 9.084 Mio. 1.620 Mio.
3/09 * 9.734 Mio. 1.828 Mio.
4/09* 12.207 Mio. 2.532 Mio.
1/10 15.683 Mio. 3.378 Mio.
2/10 13.499 Mio. 3.074 Mio.
3/10 15.700 Mio. 3.253 Mio.
4/10 20.343 Mio. 4.308 Mio.
1/11 26.741 Mio. 6.004 Mio.
2/11 24.667 Mio. 5.987 Mio.

* Apple bilanziert seit dem ersten Quartal 2010 nach neuen Buchhaltungsstandards in den USA. Damit werden Einnahmen aus dem Verkauf von iPhone und Apple TV nunmehr vollständig für den Zeitpunkt des Verkaufs verbucht, während sie zuvor über die Lebenszeit der Geräte hinweg auf die Quartale verteilt wurden. Die Angaben zu den Ergebnissen der Vorquartale wurden nach der neuen Bilanzierungsmethode errechnet und weichen entsprechend von den ursprünglich veröffentlichten Zahlen ab. (vbr)